Neue Befunde zur Fundstelle Kalksandsteinwerk Derching, ihre paläofloristischen (Palmen, Characeen) und faunistischen Besonderheiten (Kleinsäuger, Großsäuger) und sedimentologisch-stratigraphischen Probleme (Brockhorizont)

Geologie-
Paläontologie
Geo-Paläontologisches Forum
Derching – Miozän Nummer 2
Fauna und Flora Olching 2025
Neue Befunde zur Fundstelle Kalksandsteinwerk Derching,
ihre paläofloristischen (Palmen, Characeen) und
-faunistischen Besonderheiten (Kleinsäuger, Großsäuger) und
sedimentologisch-stratigraphischen Probleme (Brockhorizont)
von
H.-J. GREGOR, W. FIEST, J. S. GIRBAU &
K. HEISSIG
Geo-Paläontologisches Forum

Nr. 2 2025

ISSN 2944-7615
Herausgeber der Zeitschrift Geo-Paläontologisches Forum
Verlag (Publishing House) H.-J. GREGOR
Dr. Hans-Joachim Gregor, Daxerstr. 21, 82140 Olching
Die Zeitschrift erscheint in zwangloser Folge mit Themen aus den Gebieten Geologie-
Mineralogie, Paläobotanik, Paläokarpologie, Archäologie und weiteren
naturwissenschaftlichen Themen
Für die einzelnen Beiträge zeichnen die Autoren verantwortlich,
für die Gesamtgestaltung die Herausgeber.
Die Zeitschrift ist abrufbar und frei von Copyright
Gestaltung und Layout: Hans-Joachim Gregor
Titelblatt:
Kurz-Text: Paläobotanik, Paläozoologie, Sedimentologie und Brockhorizont der miozänen
Kalksandgrube Derching bei Friedberg/Augsburg
1
Geo-Paläontologisches Forum 2 S. 1-53 3 Tab. 7 Abb. 7 Taf. 1 App. 2025
Neue Befunde zur Fundstelle Kalksandsteinwerk Derching,
ihre paläofloristischen (Palmen, Characeen) und
-faunistischen Besonderheiten (Kleinsäuger, Großsäuger) und
sedimentologisch-stratigraphischen Probleme (Brockhorizont)
GREGOR, H.-J., FIEST, W.,
GIRBAU, J. S. & HEISSIG, K.
Zusammenfassung
Es werden diverse Neufunde aus der Sandgrube des Kalksandsteinwerks Derching bei Friedberg
(Lkr. Aichach-Friedberg) vorgestellt und interpretiert. Wir beschreiben die Obere Süßwasser-
Molasse und die Faunen im Gebiet (FIEST & GREGOR), den Fund eines Alicornops simorrense-
Nashorns (HEISSIG), die Charophyten (GIRBAU), Palmreste (GREGOR) und den Brockhorizont
(FIEST).
Postriesisch haben wir Palmblattreste, einen Rhinoceros-Schädel und eine obere Linse mit
Blattflora. Die Charophytenlage ist präriesischen Alters. Weitere Faunenreste sind über die gesamte
Abfolge verteilt.
Summary
New fossils from the locality open pit Derching near Friedberg/Augsburg area are under research.
We descripe the Upper Freshwater Molasse with its faunas (FIEST & GREGOR), the rhinoceros-
type Alicornops simorrense (HEISSIG), the charophytes (GIRBAU), palm fronds (GREGOR) and
the famous boulder horizon, caused by meteorite damage (FIEST).
The profile is divided into two sections, an upper post-meteorite and a pre-meteorite section, the
first contains palm remains, a leaf-flora and a rhinoceros, the latter contains charophytes. Further
faunal remains are distributed throughout the entire sequence.
Anschrift der Autoren:
Dr. Hans-Joachim GREGOR, Daxerstr. 21, D-82140 Olching, h.-j.gregor@t-online.de
Dipl.-Geol. Wolfgang FIEST, Alpenplatz 3, 81541 München, wolfgang.fiest@t-online.de
Dr. Josep Sanjuan GIRBAU, Department of Earth and Ocean Dynamics, Fac. Earth Sciences,
Universitat de Barcelona (UB) Martí i Franquès, s/n, E-08028 Barcelona, josepsanjuan@ub.edu
Prof. emer. Dr. Kurt HEISSIG, Böcklinstr. 60, 80638 München, kurt@heissig.de
2
Inhalt Seite
1 Einleitung und Dank (H.-J. GREGOR) 2
2 Die Obere Süßwassermolasse im Landkreis Aichach-Friedberg (GREGOR & FIEST) 3
2.1 Geologie und Stratigraphie des Derchinger Kalksandsteinwerkes (FIEST) 5
2.2 Die Fossilfunde – Faunen 7
2.2.1 Überblick (W. FIEST & H.-J. GREGOR) 7
2.2.2 Der Schädel von Alicornops simorrense (K. HEISSIG) 8
2.3 Die Fossilfunde-Pflanzen (H.-J. GREGOR) 10
2.3.1 Charophyta (J. S. GIRBAU) 11
2.3.2 Blätter und Fruktifikationen (H.-J. GREGOR) 13
2.3.3 Neogene Palmreste – ein Überblick in Mitteleuropa 14
2.3.4 Palmreste aus der Molasse von Derching 14
3 Der riesische Brockhorizont (W. FIEST) 15
3.1 Allgemeines 15
3.2 Der präriesische Deckmergel und die Frühfolgen des Riesereignisses 17
3.3 Biostratigraphische Einstufung des Brockhorizontes 19
3.4 Lithostratigraphische Einstufung des Brockhorizontes 20
3.5 Magnetostratigraphie und Radiometrisches Alter des Ries-Impaktes 20
3.6 Höllkreut – Weißjurageröll – Horizont 20
3.7 Schüttungszyklen 21
4 Auswertung (H.-J. GREGOR) 22
4.1 Palökologische Bedingungen bei den Derchinger Palmen 22
4.2 Altersstellung und Palökologie von Palmresten in der Molasse 22
4.3 Klimageschehen 23
Abbildungen 24
Nachtrag – Faunenlisten von Derching 32
Literatur 33
Tafeln 40
1 Einleitung und Dank (H.-J. GREGOR)
Zusammen mit der reichen Blattfundstelle Burtenbach war Derching das Ziel von Geologen und
Paläontologen diverser Ausrichtungen. Nicht nur Pflanzenreste in Mergeln, sondern auch Säugetierreste
fanden sich allenthalben in den Kiesen, ergänzt durch besondere Funde, wie massenhaftes Vorkommen der
Oogonien von Armleuchteralgen, aber auch Spreiten von Palmen.
Für Autor GREGOR war eine mögliche Koexistenz von einer „Ulmenflora“ mit Palmen nicht möglich,
einfach aus klimatisch-ökologischen Gründen. Allerdings haben neue Funde diese Vorstellung ins Wanken
gebracht.
Palmreste deuten ein warmes Klima, in der Molasse meist ein Cfa-Klima an, das mit mindestens 16-18°C im
Jahresmittel gekennzeichnet ist. Die Derchinger Blattflora mit Taxa wie Daphnogene, Ulmus, Platanus,
Populus, Sapindus und Zelkova bei den Blättern und Liquidambar, Leguminocarpum und Koelreuteria bei
3
den Diasporen (GREGOR 1982) widerspricht dem mit einer damals mittleren Temperatur von ca. 13-15°C.
Dies waren die Gründe, eine Palme nicht in die Überlegungen zum Klima einzubeziehen.
Das bisherige Postulat betraf das Vorkommen in Sedimenten der OSM – aber wie sieht es z.B. in den
Limnischen Süßwasserschichten oder der Brackwassermolasse (REICHENBACHER 1993, REICHEN-
BACHER et al. 1998) aus?
Danksagung
Wir sagen Dank Herrn HIRSCHENFELD vom KSW Derching für diverse Besuchserlaubnisse und für die
Möglichkeit, den Brockhorizont zu studieren. Vor einigen Jahren kam ein großer Block aus Jurakalk zum
Vorschein, der am Büro des Werkes ausgestellt ist. Wir haben hier also den Brockhorizont, Zeugen des Ries-
Meteoriten vor uns. Leider hat uns die neue Leitung des KSW Derching keine weitere Erlaubnis zur
Überprüfung der Profile usw. erteilt.
Dr. Ulrich SEEHUBER (86450 Altenmünster, andrias@gmx.de) war freundlicherweise bei den
Säugetierfaunen von Derching und geologischen Problemen behilflich.
Die Sammlerfreunde Jürgen TRAUTWEIN und Reinhard KUHN haben ihre Palmfunde von Derching
dankenswerterweise dem Naturmuseum Augsburg zur Verfügung gestellt.
Kollegin Ingeborg SOULIÉ-MÄRSCHE von der Universität Montpellier (S-Frankreich, Lab.
Paleobotanique) war freundlicherweise bei der Untersuchung der Characeen behilflich und vermittelte den
Kontakt zu Kollegen GIRBAU.
Ein besonderer Dank gilt unserem Freund und Kollegen Hans SCHMITT für seine unermüdlichen
Anmerkungen und Verbesserungen des Manuskripts.
Abschließend bedanken wir uns herzlich für die Bereitstellung der Fossilien von Derching aus der
Sammlung des Naturmuseums Augsburg (Leiter Dr. Michael Rummel).
2 Die Obere Süßwassermolasse im Landkreis Aichach-Friedberg (H.-J. GREGOR & W.
FIEST)
Im Landkreis haben wir diverse Sand-, Kies- und Tongruben, die einen kleinen Eindruck geben von der
geologischen Situation im Gebiet. Im Mittelpunkt der Überlegungen zum Palmproblem steht die Kiesgrube
des Kalksandsteinwerkes Derching:
 Derching, Lkr. Aichach-Friedberg (SCHMID & GREGOR 1983, SCHMIDT 1976, 1980,
SEEHUBER 2000, 2002)
 Oberbernbach, Lkr. Aichach-Friedberg, hat grünlich-blaue Tone mit Fauna und Flora, letztere mit
dem Leitfossil Gleditsia knorrii (GREGOR et al. 1989) bzw. Gleditsia podocarpa (BRAUN). Das
Alter kann mit präriesisch, Phytozone OSM-3b1 angesehen werden (GREGOR & SACHSE 2016)
 Gallenbach, Lkr. Aichach-Friedberg (SCHMID & GREGOR 1983, FIEST 1986, 1989, HEISSIG
1986, 1989, 1997)
 Unterneul bzw. Unterer Neulhof, Lkr. Aichach-Friedberg (SCHMID & GREGOR 1985, FIEST
1986, 1989, HEISSIG 1989, 1997, UNGER et.al. 1990))
Ehemalige Mergelgrube der Ziegelei KORMANN, TK 1:25 000, 7532 Aichach
RW 44 31 750, HW 53 63 540, ca. 466– 477 m ü. NN
Etwa 100 m südlich des Unteren Neulhofs, zwischen Gallenbach und Taiting, befand sich eine
kleine, dafür geologisch umso bedeutungsvollere Mergelgrube der Ziegelei KORMANN. Die Grube
4
ist seit über 30 Jahren komplett verfüllt und rekultiviert. Die geologischen Gegebenheiten wurden
eingehend von FIEST (1986, 1989), die Faunen von HEISSIG (1989) beschrieben.
Im Herbst 1985 war im Liegenden des Brockhorizontes leider nur kurzfristig eine Abfolge von
beigen bis olivfarbenen, schluffigen Feinsanden und blaugrauen bis grünlichen Auenmergeln
aufgeschlossen, in denen auch ein 5 cm schmales Bentonitband mit gradierter Feinschichtung
eingelagert war (Schüttungszyklus Z6-1 sensu FIEST 1994, s. Abb. 6a). In den basalen, gröberen
Lagen des Bentonits finden sich häufig Biotitpakete. Darüber folgt ein montmorillonitischer Ton.
Der Deckton zeichnet sich durch seinen Glimmerreichtum aus. Dieser Bentonit aus Unterneul war
der erste und bisher einzige, dazu noch stratigraphisch genau definierte Nachweis für einen
präriesischen Bentonit der Mittleren Serie im bayerischen Molassebecken. ROCHOLL et. al. (2017)
konnten ihn auf 15,003 ± 0,024 a datieren. In den oberen 40 cm der Mergelserie fanden sich
Wirbeltierreste, die als Fauna Unterneul 1a (Cricetidenzone CrZ 6 sensu FIEST 1994, s. Abb. 6a)
zusammengefasst werden.
Es folgt ein bis zu 5 m mächtiger Sandhorizont und Relikte des präriesischen Deckmergels des
Schüttungszyklus Z6-2 (s.3.2), die jedoch während einer noch präriesischen Erosionsphase
größtenteils wieder erodiert wurden, sodass die Auenmergel) teilweise die Basis für den primären
Brockhorizont Typ I (Schüttungszyklus Z 7) von Unterneul bildeten. Hiervon zeugen etliche
größere, nicht kantengerundete Malmkalkbrocken mit bis zu 30 cm Durchmesser, die in die
Auenmergel eingedrungen sind. Die starke Zerrüttung und Zerruschelung der Mergeloberfläche lässt
sich nur durch den Einschlag und das anschließende Weitergleiten der Blöcke erklären. Der primäre
Brockhorizont Typ II (noch Schüttungszyklus Z 7) befindet sich als Füllung der präriesischen
Erosionsrinne in einer bis zu 3 m mächtigen Feinkiesserie, mit lokal umgelagerten, kaum
kantengerundeten Weißjurastücken und -blöcken die ein Gewicht von bis zu 80 kg erreichen. Sie ist
an der Basis sandiger ausgebildet und enthielt dort umgelagerte Süßwassermuscheln in
zweiklappiger Erhaltung, große, plattgedrückte, inkohlte Holzstücke und Holzgerölle mit äußerer
Gagatrinde bis zur Größe eines Kopfes. Über dieser Basis waren örtlich Aufarbeitungslagen mit
Landschnecken und der Fauna Unterneul 1c (Cricetidenzone CrZ 7, s. Abb. 6a) eingeschaltet.
In einer früh-postriesischen Erosionsrinne, die weit in den Brockhorizont hineingreift, lagerten sich
ca. 5 m mächtige schluffige bis tonige limnische Mergel ab, die eine fossile Flora (Unterneul 1b)
geliefert haben. Einzelne Schubspäne von Schneckenmergeln an der Basis der Blättermergel führten
die artenarme Fauna Unterneul 1d.
Fazit: Die Fauna Unterneul 1a ist praeriesisch, die Fauna Unterneul 1c stammt aus dem riesischen
Brockhorizont und die Flora Unterneul 1b sowie die Fauna Unterneul 1d sind postriesisch.
 Pfaffenzell, Lkr. Aichach-Friedberg (SCHMID & GREGOR 1985, GREGOR et al. 1989)
 Miedering, Lkr. Aichach-Friedberg (GREGOR et al. 1989, GREGOR 1982)
 Haunswies, Lkr. Aichach-Friedberg (GREGOR 2015)
Weitere Fundstellen aus anderen Landkreisen sollen noch kurz erwähnt werden, da auch dort vergleichbare
Floren gefunden wurden, aber meist ohne Palmen.
 Burtenbach, Lkr. Günzburg (GREGOR in Bearb., SEEHUBER 2021, SACHSE 2022)
 Günzburg-Reisensburg, Lkr. Günzburg (GREGOR 2015, GREGOR 1982)
 Kirrberg, Lkr. Günzburg (RIEDERLE & GREGOR 1995, SEEHUBER 2008)
 Breitenbrunn, Lkr. Unterallgäu (GREGOR et al. 1989, SEEHUBER 2008, GREGOR 2016)
 Illertissen, Lkr. Neu-Ulm (HOLZER 1984, GREGOR 1982)
5
 Derndorf, Lkr. Unterallgäu, Markt Kirchheim i. Schwaben (SEEHUBER 2008, RIEDERLE,
GREGOR & SEEHUBER 2014)
 Unterwohlbach, Lkr. Freising (GREGOR & SCHMITT 2016, GREGOR 2006, SACHSE &
SCHMITT 2016, GREGOR & SACHSE 2016)
 Unterzolling, Lkr. Freising (FIEST 1994, HEISSIG 1986, 1997, HEISSIG & FIEST 1994, SACHSE
2018, ULBIG 1985)
 Entrischenbrunn, Lkr. Pfaffenhofen a. d. Ilm (SCHMITT & BUTZMANN 1997, SACHSE,
GRÖGER & FIEST in Bearb.)
 Schrotzburg, Lkr. Konstanz (HANTKE 1954)
 Eberstetten, Lkr. Pfaffenhofen a. d. Ilm (FIEST 1994, HEISSIG & FIEST 1994, GREGOR 1982)
 Josefstobel Lkr. Biberach a. d. Riß (SACH & SCHMITT 2022)
Die folgende Aufstellung vergleicht die Floren mit ihrem prae-/postriesischem Verhalten sowie den
Phytozonen, soweit bekannt (Tab. 1).
Lokalität Prae-/postriesisch Phytozone (GREGOR 1982)
Derching Prae-postriesisch (2 Floren) OSM-3b1 und 2
Oberbernbach Praeriesisch OSM-3b1
Gallenbach Postriesisch OSM-3b1/2
Unterneul Postriesisch OSM-3b1
Pfaffenzell II Postriesisch OSM-3b1/b2
Miedering Praeriesisch OSM-3b1
Haunswies Praeriesisch OSM-3b1/2
Burtenbach Praeriesisch OSM-3b1
Reisensburg Praeriesisch OSM-3b1
Kirrberg Praeriesisch OSM-3b1
Breitenbrunn Postriesisch OSM-3b2/4
Illertissen Praeriesisch OSM-3b1
Entrischenbrunn Postriesisch OSM-3b1
Derndorf I Praeriesisch OSM-3b1
Derndorf II Postriesisch OSM-3b2
Unterwohlbach I Postriesisch OSM-3b2
Unterwohlbach II Postriesisch OSM-3b1
Unterzolling Postriesisch OSM-3b2
Schrotzburg Postriesisch OSM-3b1/b2
Josefstobel Postriesisch OSM-3b1
Tabelle 1: Liste der Floren im Hinblick auf prae- und postriesische Zeiten und den Phytozonen
(verändert nach GREGOR & MURR 2016, Tab. 5, 6)
2.1 Geologie und Stratigraphie des Derchinger Kalksandsteinwerkes (W. FIEST)
Sand- und Kiesgrube der Kalksandsteinwerke Südbayern GmbH & Co. KG, TK 1:25 000, 7531 Gersthofen,
RW 44 24 360, HW 53 64 580, unter 477 – 520 m NN, Abb. 1 und 2.
6
Zwischen dem Königsholz und dem Wirtsberg NE Derching befindet sich die Sand- und Kiesgrube der
Kalksandsteinwerke Südbayern GmbH & Co. KG. Hier werden seit mehreren Jahrzehnten Sande zur
Mauerstein-Produktion abgebaut.
Die geologische und stratigraphische Abfolge wurde von SEEHUBER (2000 u. 2002) ausführlich
beschrieben und kann bis auf wenige Abweichungen übernommen werden, mit dem Hinweis, dass die
Beschriftung Derching 1b in SEEHUBER (2002: Abb. 3) auf das Niveau des „Characeenmergels“ unterhalb
des Brockhorizontes, und Derching 1a auf Höhe des Zyklus Z 8 Mergels versetzt werden muss.
Gut sortierten präriesischen Fein- bis Mittelsanden mit geringem Grobsandanteil, die übrigens auch im
benachbarten Aufschluss Unterneul anstanden und im Molassebecken weit verbreitet sind, folgt der
präriesische Derchinger “Characeenmergel“, den SEEHUBER 1998 entdeckte, darüber der Brockhorizont-
Zyklus Z7 sensu FIEST (1994).
Die Deutung des „Characeenmergels“ und der Fauna Derching 1b als zusätzlichen präriesischen
Schüttungszyklus Z7 und Einheit OSM E‘ durch BÖHME et. al. (2001), die SEEHUBER (2002) hieraus
lediglich übernommen hat, beruht auf einer Fehlinterpretation der Schüttungszyklen sensu FIEST (1994,
Abb. 6a, b) und HEISSIG & FIEST (1994). Der „Characeenmergel“ entspricht dem im bayerischen
Molassebecken weit verbreiteten präriesischen Deckmergel, bildet den feinklastischen Abschluss des
Schüttungszyklus Z6-2 (s. 3.2, 3.7 und Abb. 6 a, b) und repräsentiert die obere Säugerzone MN 5 bzw. die
Einheit OSM E (sensu HEISSIG 1997, Abb. 6 a), der Brockhorizont-Zyklus Z7 die basale Säugerzone MN 6
bzw. Einheit OSM F.
In einer Höhe von ca. 481 m NN liegt der primäre Brockhorizont Typ I (sensu FIEST in HEISSIG & FIEST
1994) direkt auf dem „Characeenmergel“. Wie in Unterneul lagert der primäre Brockhorizont Typ II in einer
präriesischen Erosionsrinne, die bis auf etwa 477 m NN hinuntergreift. Weißjurakalk führende Horizonte
eines nicht näher bestimmten Brockhorizont-Typus die schon dem Schüttungszyklus Z 8 (ca. 481–485 m
NN) zugerechnet werden können, sind bis ca. 484 m NN nachweisbar (vgl. SEEHUBER 2000).
Ein mindestens 500 kg wiegender Brocken wurde vor Jahren in Derching gefunden und auch geborgen (Taf.
7, Fig. 1). Er liegt nun vor dem Büro des Kalksandsteinwerkes und ist einer der wichtigsten Zeugen aus der
unteren Profilfolge in der Grube, aber nicht mit genau bestimmter Höhe. Ein Profil (Exkursion E 823 bei
GREGOR) zeigt den Abbaustand 1999 und ein Profil von der damaligen Grubenbasis bis fast zum Top der
Abfolge (Abb. 4).
Der postriesische Schüttungszyklus Z8 besteht überwiegend aus 2-3 m mächtigen Sanden, welche den
präriesischen Sanden zwar ähneln, jedoch treten in ihrem höheren Teil häufig Feinkieslagen auf. Dieses
Sedimentpaket entspricht den Gallenbacher Sanden (FIEST 1986 u. 1989), die von blauen Mergeln
entsprechend dem Gallenbacher Doppelmergel (FIEST 1986 u. 1989) überlagert werden. Sie bilden den
feinklastischen Abschluss des Schüttungszyklus Z8. In den Mergeln entdeckte HEISSIG 1993 die
Kleinsäuger-Fauna Derching 1a. Die genaue Fundhöhe von Derching 1a ist nicht bekannt.
Der Schüttungszyklus Z9 beginnt bei ca. 483 m NN mit Fein- bis Mittelkiesen des Gallenbacher Schotters
(sensu FIEST 1986 u. 1989), die sich erosiv in die feinkörnigen Sedimente des Zyklus Z8 einschneiden. Er
reicht bis zum Grubentop bei ca. 510 m NN (s. SEEHUBER 2000 u. 2002). In die Kiese sind verschiedene,
bis zu ca. 3 m mächtige Sandrinnen und diverse limnische Mergel eingeschaltet. Zum Hangenden vollzieht
sich ein allmählicher Übergang in die Sandfazies. Die „Ulmenflora“ Derching 1 stammt aus einem
limnischen Mergel am Grubentop, die Palmreste und die Großsäugerfunde aus den darunter liegenden
Sanden und Kiesen.
DOPPLER (1989) bezeichnet die Fortsetzung dieses Sedimentpakets W‘ des Lech als „Geröllsandserie“.
Die Sand-Mergel-Decke mit den Bentoniten wird in der Grube Derching nicht mehr erreicht, ist aber in der
Umgebung großflächig nachgewiesen (s. FIEST 1986, 1989 und WEIDEL 2003).
7
2.2 Die Fossilfunde – Faunen (W. FIEST & H.-J. GREGOR)
2.2.1 Überblick
Derching hat über lange Jahre hinweg viele Reste der ehemaligen mittelmiozänen Fauna und Flora geliefert.
SEEHUBER (2002) hat eine Übersicht über die bisher nachgewiesenen fossilen Taxa der Grube Derching
sowie eine biostratigraphische Auswertung der relevanten Funde ausgearbeitet. ERONEN & RÖSSNER
(2007) behandeln das Thema „Verlorenes Feuchtgebietsparadies: Dynamik der Lebensgemeinschaften großer
pflanzenfressender Säugetiere im Miozän des deutschen Molassebeckens“.
Die Großsäugerreste, wie sie in Nachtrag aufgelistet werden, sind vor allem Rüsseltiere (Proboscidea),
Nashörner (Rhinocerotidae), Hornträger (Bovidae), Moschushirsche (Moschidae), Hirschverwandte
(Cervidae), Hirschferkel (Tragulidae) und Schweine (Suidae) oder Raubtiere (Carnivora) und
Pferdeverwandte (Equidae) sowie Biber (Castoridae). Sie wurden und werden bis heute in den diversen
rinnenartig ausgebildeten Kiesschichten des Schüttungszyklus Z9 gefunden, die erosiv in feinkörnigere
Sedimente greifen. Hier finden sich auch zahlreiche Kieselhölzer.
Der Sammler Jürgen TRAUTWEIN hat eine unglaubliche Menge von Überresten dieser Gruppen im Laufe
von etwa 40 Jahren zusammengetragen, präpariert und in einem kleinen Privatmuseum ausgestellt. Es dürfte
die größte Sammlung sein, die aus Derching bekannt und wissenschaftlich von unschätzbarem Wert ist (Taf.
6, Fig. 7-9). Es zeigt vor allem, wie häufig die verschiedenen Proboscidier in der Molasse waren und
vielleicht sogar an der Zerstörung der reichen Waldsysteme der OSM beteiligt waren. Dabei sind die beiden
eher kleinwüchsigen Arten Gomphotherium angustidens und Prodeinotherium bavaricum zu erwähnen. Die
jüngeren Formen sind doch bedeutend größer und lebten in einem von Derching verschiedenen Auwald
entlang des „Molassissippi“ (vgl. GREGOR & HEYNG 2012).
Erwähnenswert ist aus Derching der fast vollständige Schädel eines Nashorns, eines Alicornops simorrense,
welcher 1989 durch Autor GREGOR im oberen Profilteil geborgen und von Koll. HEISSIG (München)
näher untersucht wurde. Seine Auswertung folgt in Kap. 2.2.2. Autor HEISSIG hat sich schon 1984 mit
Nashornverwandten aus der Oberen Süßwassermolasse beschäftigt und die diversen Arten der verschiedenen
Gruppen nach Gebissresten (Milch- und Dauerzähnen), dem Alter und der Ökologie aufgegliedert (HEISSIG
1984). Grundlage waren Studien der Nashörner an der miozänen Fundstelle Sandelzhausen bei Mainburg
(HEISSIG 1972). Zur Vegetation der Molasse-Ablagerungen siehe nach z.B. bei GREGOR (1978, 1980,
1982) und SCHMID & GREGOR (1985).
Aus zwei unterschiedlichen Auenmergellinsen konnten zudem viele Reste kleinerer Wirbeltiere geborgen
werden. Es handelt sich um die Faunen Derching 1b und Derching 1a.
Fauna Derching 1b („Characeenmergel“, unmittelbar unter Brockhorizont, Fundhöhe ca.481 m NN;
BÖHME & ILG 2003, SEEHUBER 2002, Nachtrag)
Die Fauna wurde von SEEHUBER 1998 in einem Auenmergel (präriesischer Deckmergel, Schüttungszyklus
Z6-2) direkt unterhalb des Brockhorizontes entdeckt. Am Top dieses nur noch linsenhaft überlieferten
Mergels war eine maximal 30 cm mächtige, grünliche, ungeschichtete, sandige Auenmergellage ausgebildet.
Neben massenhaft vorkommenden Resten von Armleuchteralgen (Characeae, Coll. SEEHUBER, NMA
Eingangsnummer /1885) wurden auch zahlreiche Kleinsäuger, Fisch-, Amphibien- und Reptilienreste
gefunden.
Eine genaue Diagnose der Characeen-Art findet sich im Kapitel 2.3.1 von Kollegen GIRBAU.
Im präriesischen Deckmergel konnte Megacricetodon lappi im gesamten bayerischen Molassebecken bisher
nicht mehr nachgewiesen werden. Stattdessen führen BÖHME et al. (2001) Megacricetodon aff. gersii an,
der die Art in Derching ersetzen soll. Diese Bestimmung und die für M. aff. gersii zusätzlich eingeführte
Faunenzone OSM E‘ wird nicht nur durch Autor FIEST angezweifelt. So ordnen z.B. auch PRIETO &
RUMMEL (2016) Derching 1b der Einheit OSM E zu (s. hierzu Kapitel 2.1 und 3.3).
8
Fauna Derching 1a („Blaue Mergel“, 2 – 3 m über Brockhorizont, unterhalb 485 m NN (die genaue
Fundhöhe ist unbekannt), BÖHME et.al. 2001, BÖHME & ILG 2003, SEEHUBER 2002, Nachtrag)
Im Hangende von Derching 1b fand HEISSIG 1993 im Auendeckmergel des Schüttungszyklus Z8 die Fauna
Derching 1b.
Das Vorkommen von Cricetodon aff. meini (vgl. BOLLIGER 1994) spricht für eine Einstufung dieser
postriesischen Fauna in die Cricetidenzone CrZ 8 bzw. die biostratigraphische Einheit OSM F und die
Säugerzone MN 6 (s. Abb. 6a).
Fauna Derching (aus Kiesen und Sanden des Schüttungszyklus Z9; ERONEN & RÖSSNER 2007,
SCHLEICH 1982; SEEHUBER 2002, Nachtrag, Fundhöhe 480-510 m NN)
Aus den mächtigen Sanden und Kiesen des Schüttungszyklus Z9 im Hangenden des Brockhorizontes und
des Schüttungszyklus Z8 wurden bis heute eine große Anzahl von Fossilien (v.a. Zähne, Kiefer- und
Schädelreste von Großsäugern) geborgen (s. Nachtrag). Biostratigraphisch kann diese Fauna der
postriesischen Mittleren Serie bzw. der OSM-Einheit F (sensu HEISSIG 1997) zugeordnet werden.
2.2.2 Der Schädel von Alicornops simorrense (K. HEISSIG) – Taf. 1, Fig. 1-6
Am 23.9.1989 fand der Palaeobotaniker Dr. Hans-Joachim GREGOR zu seiner Überraschung in der Kies-
und Sandgrube des Kalksandsteinwerks Derching in Friedberg-Derching unterhalb der senkrechten
Grubenwand auf dem Boden die Trümmer eines fossilen Nashornschädels, der aus der Wand gefallen war.
Die Reste waren am Boden festgefroren und er konnte sie nur mit Mühe herausheben, ständig in Gefahr
durch weitere herabfallende Gerölle oder Mergelbrocken. In mühevoller Arbeit gelang es dem Präparator
Peter VEIT in München, in Zusammenarbeit mit dem dortigen Konservator Dr. Kurt HEISSIG, aus diesen
Trümmern den Schädel zu rekonstruieren. Dabei zeigte sich, dass dieser schon vor seinem Zerfall durch den
Druck der überlagernden Sedimentschichten ziemlich verdrückt war, so dass nicht mehr alles gut
zusammenpasste. Nun ist das gute Stück im Augsburger Naturkundemuseum zu sehen.
Was hat aber ein Nashorn hier mitten in Bayern zu suchen? Nashörner leben heute nur noch in warmen
Regionen, im südlichen Afrika und in Südasien und seiner Inselwelt. Die heute noch lebenden fünf Arten
sind fast alle vom Aussterben bedroht, weil ihnen die wachsende Bevölkerung den Lebensraum immer mehr
einengt.
Das Derchinger Nashorn stammt aber aus einer völlig anderen Zeit. Es lebte vor etwa 14 Millionen Jahren.
Es war nicht allein. Damals gab es in Bayern fünf Arten von Nashörnern gleichzeitig, wenn auch auf
verschiedene Lebensräume verteilt. Lange Zeit bedeckte ein subtropischer Regenwald unsere Landschaft,
dessen Bäume teilweise unseren heutigen Laubbäumen ähnlich waren, teilweise aber exotischen, Wärme
liebenden Arten angehörten. In dieser Umwelt lebte eine große Zahl verschiedener Landtiere, ähnlich wie im
heutigen Dschungel. Manche liebten das Wasser, andere eher trockene Standorte. Die meisten davon waren
etwas urtümlicher als ihre heutigen Verwandten. Andere haben heute keine Verwandtschaft mehr, weil ihre
ganzen Familien ausstarben.
Das Derchinger Nashorn gehört zu so einem Zweig der Nashörner, der vor etwa sieben Millionen Jahren
verschwand, den so genannten Aceratherien. Sie waren nicht so massig wie ihre heutigen entfernten
Verwandten, sondern relativ schlank und hochbeinig. Ihr zart gebauter Schädel konnte kein starkes Horn
tragen. Viele Arten dieser Tiergruppe hatten überhaupt kein Horn, andere nur ein kleines, weit vorn auf der
Spitze eines langen Nasenknochens sitzend. Insgesamt sahen die Tiere dem Tapir ähnlich, unterschieden sich
aber von ihm durch ein Paar gewaltiger Hauer im Unterkiefer, die die meisten Arten zeitlebens am breiteren
oberen Schneidezahn schärften. Dies waren die eigentlichen Waffen der Aceratherien, deren Hörnchen zum
Kampf völlig untauglich war.
Für die Wissenschaft ist dieser Fund deshalb bedeutend, weil seine Nasenbeine vollständig erhalten sind, was
bisher nur selten bei einem Fundstück vorkam. Sie sind breiter als bei vielen anderen Arten dieser Tiergruppe
9
und sogar durch einen seitlichen Falz etwas verstärkt, so dass sie geeignet waren, ein Horn zu tragen.
Obwohl das Horn bei allen Nashörnern keinen Knochenkern hat, wie ihn z. B. die Rinder haben, sondern nur
aus einem fest verschweißten Haarbüschel besteht, hat es doch auf dem Nasenbein Spuren hinterlassen. Für
das Wachstum des Horns brauchte es stärkere Blutgefäße und zu seiner Fixierung eine aufgeraute
Knochenfläche, mit der sich die Haut unter dem Horn verklammerte. Beides kann an dem Schädel von
Derching beobachtet werden.
Die Bestimmung der Art, die nach dem südfranzösischen Fundort Simorre den Namen Alicornops
simorrense trägt, konnte anhand der Backenzähne durchgeführt werden, denn die meisten fossilen Arten von
Säugetieren wurden nach den ersten Funden benannt. Und das waren meist nur einige Zähne, denn Zähne als
das härteste Organ des Körpers bleiben bei allem, was einem Lebewesen nach seinem Tod passiert bis es
fossil wird, am längsten erhalten. Bei Säugetieren sehen sie zudem bei jeder Art anders aus, denn nur bei
ihnen sind nicht nur das ganze Gebiss, sondern auch die einzelnen Zähne präzise an die jeweilige Nahrung
und zugleich an die spezifische Art zu kauen angepasst. Daraus ergibt sich, dass nicht nur ganze Tiergruppen,
sondern auch einzelne Arten durch das Muster ihrer Grate, Zacken und Kerben erkennbar sind.
Die Zähne des Derchinger Schädels sind allerdings schon stark abgenutzt, da es sich um ein ziemlich altes
Individuum handelte. Sie sind etwas kleiner als bei den beiden anderen Arten, die gleichzeitig in Europa
vorkamen. Nur der letzte Backenzahn ließ noch so viele Details erkennen, dass die Bestimmung nicht nur
nach der Größe, sondern auch nach einem typischen Merkmal des Zahnes gesichert werden konnte.
Aus der Restaurierung des Schädels ergibt sich, dass dieser etwas breiter und, vor allem im hinteren Bereich
kürzer war, als bei seinen nächsten Verwandten. Da deren Stammlinie, ebenso wie die des Derchinger Tiers,
bereits vor 24 Millionen Jahren getrennt und mit ihren speziellen Unterschieden in Europa erschienen, muss
ihr gemeinsamer Vorfahre noch um einiges früher gelebt haben, ein Beleg für die Langsamkeit der
Evolution, denn die Fundstelle Derching wird heute auf etwa 14 Millionen Jahre datiert.
Das Gesamtbild des Tieres kann man allerdings erst rekonstruieren, wenn man an einer Fundstelle
zahlreicher Tierreste herausfindet, welche Knochen zu welchem Tier gehören. Denn man findet kaum je ein
mehr oder weniger vollständiges Skelett. Die meisten Fossilien finden sich in Flussablagerungen. Das
bedeutet, dass alle Teile beim Transport von der Strömung voneinander getrennt wurden, wobei gelegentlich
auch Krokodile tatkräftig mitgewirkt haben. So ist eben auch in Derching nur der einzelne Schädel ohne
seinen Unterkiefer erhalten geblieben.
Aus einer langen Forschungsgeschichte wissen wir trotzdem, wie das Tier etwa ausgesehen hat. Es war
deutlich kleiner als heutige Nashörner und relativ schlank gebaut. Seine Füße waren beweglicher. Wie der
heutige Tapir hatte es am Vorderfuß vier Zehen, nicht drei wie die heutigen Nashörner. Seine Hauer waren
stark nach oben gebogen und schauten wohl meist seitlich zwischen den Lippen heraus. Das Hörnchen auf
der Nase diente wohl vor allem als Erkennungszeichen für seine Artgenossen. Ob es damit auch die Rinde
von Bäumen oder Zweigen abschälen konnte wie manche heutigen Nashörner, wissen wir nicht, denn das
Horn selbst ist nicht erhaltungsfähig. Zum Kampf war es jedenfalls zu schwach.
Über die Nahrung und den Lebensraum können wir allenfalls aus dem Gebiss und aus dem gemeinsamen
Vorkommen mit anderen Arten etwas sagen. Das gelingt, weil die Art in ganz Europa verbreitet war. Die
Zähne hatten niedrige Kronen, die nicht auf den Abrieb durch grobe Nahrung eingerichtet waren.
Insbesondere Gräser mit ihren eingelagerten Silikatkristallen hätten die Zähne zu stark abgeschliffen und so
die Lebensdauer verkürzt. So bestand die Nahrung aus Blättern und wohl auch schwächeren Zweigen, denn
die Backenzähne tragen an der Basis der Krone einen Wulst, der verhindern soll, dass verholzte Pflanzenteile
das Zahnfleisch verletzen. Da in den geschlossenen Regenwäldern jener Zeit wenig Blätter in Bodennähe
verfügbar waren, war das Tier wohl auf Kräuter im Unterwuchs oder auf Lichtungen mit Buschbestand
angewiesen.
10
Im mittleren Miozän sind Funde dieser Art vor allem in einer Zeit bekannt, in der sich Tiere eines
trockeneren Hochwaldes bis ins Alpenvorland wagten. Da bis etwa 15 Millionen Jahren noch Sumpfwälder
verbreitet waren, ist die Art sehr selten und fehlt in einigen großen, artenreichen Fundstellen ganz. So ergibt
sich für die Zeit, in der das Derchinger Nashorn seinen Tod fand und der Schädel irgendwo auf eine
Kiesbank liegen blieb, das Bild einer von flachen Flussterrassen oder Hügelchen durchzogenen Ebene mit
relativ rasch fließenden Gewässern, bestanden mit einem Wald aus einer Mischung von einigen
subtropischen Exoten und einer großen Zahl noch heute bei uns vertretenen Baumarten. Eine allmählich
fortschreitende Abkühlung und die Ausbreitung immer größerer Trockengebiete brachte Anpassungsfähigkeit
dieser Nashörner schon vor fünf Millionen Jahren an ihr Ende.
Das Augsburger Museum aber kann sich über den fast einmaligen Fund dieses Vorzeit-Zeugen freuen (Taf. 1,
Fig. 1-6).
2.3 Die Fossilfunde – Pflanzen (H.-J. GREGOR)
Schon 1992 (am 21.10) konnte Herr KUHN von den Günzburger Fossilfreunden einige Reste aufsammeln,
die verdächtig nach Palmen (Flora Derching 2) anmuteten und vom Autor GREGOR als Monokotylenreste
bzw. Pseudopalmreste angesehen wurden (Material im NMA unter Eingangs-Nr. /1027). Nun war aber für
Autor GREGOR die Verbindung von Palmenresten zu einer „Ulmen-Blattflora“ klimatologisch und
stratigraphisch nicht möglich. Ökologisch hätte sich das widersprochen. Eindrücke von verschiedenen
Notizen über Palmfunde in der Molasse sind bei GREGOR et al 1989: 302 zu finden, aber auch bei
GREGOR 1980, GREGOR & LUTZ 1984, GREGOR & HOLLEIS 2017.
Dabei war die Prämisse das postriesische Vorkommen der Blattmergel mit der „Ulmenflora“ am Top der
Grube aus Zyklus Z9 und die nicht im Zusammenhang gefundenen Monokotylen Reste, wie sie seit langem
von HEER (1855-58) beschrieben worden waren. Auch die neuen Funde von J. TRAUTWEIN ebenfalls aus
den postriesischen Sanden und Kiesen des Zyklus Z9 passten nicht ins bisherige florenstratigraphische
Schema. Aber alle Funde müssen berücksichtigt und ggf. neu interpretiert werden.
Vor Jahren ist Derching schon durch einen auffallenden Reichtum an Characeen-Oogonien aufgefallen. Im
Kies in einer kalkigen Sandlinse mit kleinen Kalkkonkretionen fanden sich massenweise diese winzigen
Armleuchter-Algen zusammengeschwemmt. Das Vorkommen ist absolut einzigartig in seiner Ökologie (Leg.
GREGOR & SEEHUBER E 823, 1999, NMA /1616). Allerdings kommen Characeen durchaus in der OSM
vor (z. B. in Pfaffenzell I), nur nicht in solcher Massierung.
Zur Literatur sei erwähnt:
1980 Nitellopsis meriani (AL.BR. ex UNGER) KNOBLOCH – GREGOR, S. 49, Taf. 14, Fig. 6,7.
Weitere wichtige Literatur zur Art vergleiche man in BERGER 1997, 1998, SEEHUBER 2002, SOULIÉ-
MÄRSCHE 2002, MAZZINI et al. 2013, SANJUAN & MARTIN-CLOSAS 2015.
Einige weitere Vorkommen in der Molasse sind:
Undorf, Oberpfälzer Braunkohle, SPHG München Inv.Nr.1967XI 36, 37
Pfaffenzell bei Augsburg (NMA Inv.Nr. 1147); leg WEBENAU 1995
Derching (NMA Inv.Nr. 1616): GREGOR & SEEHUBER 1999 (E 823)
Derching (NMA Inv.Nr. 1885): SEEHUBER 1999 (E 823) – Diplom-Arbeit
Rezent gibt es nur noch eine Art, die Nitellopsis obtusa (DESVAUX), die in Europa und Nordasien
vorkommt.
Das Vorkommen dieser Massenanreicherung ist nach den Tagebuchnotizen vom 1.6.1999 dicht über einer
blauen Tonschicht (limnisch), vergesellschaftet mit kleinen Malmkalk-Brocken vom Riesereignis (Horizont
D und E im Profil Abb. 4),
Bei Horizont C muss es sich um einen Aufnahme- bzw. Übertragungsfehler handeln. Ferner liegt kein
limnischer-, sondern ein Auenmergel, eben der präriesische Deckmergel, vor (Anm. FIEST).
11
2.3.1 Charophyta – the sandy marls with Characeae (J. S. GIRBAU)
Genus Nitellopsis Hy, 1889
Subgenus Tectochara Grambast & Grambast-Fessard, 1954
Nitellopsis (Tectochara) merianii (Al. Braun ex Unger, 1852) Grambast & Soulié-Märsche, 1972
1852 Chara meriani – Unger: 82, pl. 25, figs 10-12.
1954 Tectochara meriani – Grambast & Grambast-Fessard: 668.
1972 Nitellopsis (Tectochara) meriani – Grambast & Soulié-Märsche: 11.
Plate 2, fig. A-H
Material: Hundreds of well-preserved gyrogonites per kilogram were recovered from the sample NMA
/1885. Twenty-five complete gyrogonites have been measured in this study (Table 1).
Description: Very large gyrogonites, variable in size, 841-1213 μm high (mean 1009 μm), and 781-1116 μm
wide (mean 1037 μm), ellipsoidal to ovoid in shape with an isopolarity index ranging between 100 and 123
(mean 107) (Fig. 1). Spiral cells about 144 μm wide, generally convex. Eight to ten (often 8) convolutions
visible in lateral view. Apex nitellopsidoid (Feist et al., 2005), slightly convex or subrounded, with marked
thinning and narrowing of the spiral cells in the periapical zone. Apical nodules present in the 50% of the
population, more or less prominent depending on the calcification degree. Base rounded or slightly conical
with large basal pore, 90 μm across, and frequently located within a pentagonal funnel.
Biostratigraphy: Nitellopsis (Tectochara) merianii doesn’t provide precise biostratigraphic information since
its stratigraphic distribution in European continental deposits is quite broad ranging from the Uppermost
Eocene (Upper Priabonian) to the Pliocene (Soulié-Märsche et al., 2002).
Palaeoecology: Nitellopsis (T.) merianii is considered the ancestor of the living taxa Nitellopsis obtusa
(Soulié-Märsche et al., 2002). The optimal growth of Nitellopsis obtusa occurs in permanent cold
oligotrophic freshwater lakes at a depth range of 4–11 m. The abundance of this species and the absence of
other charophytes suggest that hydrological conditions were especially favourable for Nitellopsis (T.)
merianii. The extant species N. obtusa is currently classified as a boreal species because of its exclusive
distribution in deep and shallow large lakes of northern Europe and Asia. In these lacustrine habitats this
species forms dense meadows covering the lake ground and tends to reproduce in a vegetative way instead of
sexually (Soulié-Märsché et al., 2002). Thus, sexual propagules i.e. oggonia or gyrogonites are very unusual.
Rey-Boissezon and Audresset (2015) recently noticed the presence of a large number of gyrogonites of N.
obtusa in a very shallow and small pond from Switzerland. These authors suggested that this unusual
gyrogonite production could represent an adaptive ability of this species to change its reproductive strategy
in response to the conditions of high luminosity and temperature.
Through comparison with the ecology of N. obtusa as a modern analogue, the studied materials were
deposited in a permanent lake with cold and oligotrophic waters. Moreover, the large number of gyrogonites
collected from this site could suggests periods with an increase of light irradiance and temperature probably
due to the fluctuation of the water lake level.
References
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discrimination through distribution analysis. Aquatic Botany 120 (A): 84-91.
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Société Botanique de France 36: 393-398.
Feist M., Grambast-Fessard N., Guerlesquin M., Kenneth K., Huninan L., McCourt R.M., Qifei W., Shenzen
Z., 2005. Treatise on Invertebrate Paleontology. Part B. Protoctista 1. Charophyta. The Geological
Society of America, Kansas, 170 pp.Grambast, L., Grambast-Fessard, N., 1954. Sur la position
systématique de quelques Charophytes tertiaires. Revue générale de Botanique 61: 665-671.
12
Grambast, L., Soulié-Märsche, I., 1972. Sur l’ancienneté et la diversification des Nitellopsis (Charophytes).
Paléobiologie Continentale 3: 1-14.
Sanjuan, J., Martín-Closas, C., 2015. Biogeographic history of two Eurasiatic Cenozoic charophyte lineages.
Aquatic Botany 120 (A): 18-31.
Soulié-Märsche, I., Gemayel, P., Chaimanee, Y., Suteethorn, V., Jaeger J.J., Ducrocq, S., 1997. Nitellopsis
(Charophyta) from the Miocene of northern Thailand. Alcheringa 21: 141-156.
Soulié-Märsche, I., Benammi, M., Gemayel, P., 2002. Biogeography of living and fossil Nitellopsis
(Charophyta) in relationship to new finds from Morocco. Journal of Biogeography 29: 1703-1711.
Unger, F., 1852. Iconographia plantarum fossilium. Denkschriften Akademie der Wissenschaften,
Mathematisch- Naturwissenchaftliche Klasse, Wien 4: 73-118.
Figure 1: Measurements of the Gyrogonites
Nitellopsis Molasse basin n=25 gyrogonites measured Inv. Nr. 11885
Gyrogonite height (μm) Gyrogonite width (μm) convolutions number (c.n.) c.n. height (μm) ISI apical nodules
1073 946 10 140 113 si
1019 894 9 133 114 no
1189 1045 9 124 114 si
1091 1087 8 157 100 no
1148 1084 9 142 106 si
1098 1037 8 133 106 si
959 912 8 129 105 no
1168 1072 9 148 109 no
1109 1091 9 146 102 si
1213 1062 9 168 114 no
1121 911 8 144 123 si
1196 1093 9 153 109 si
1087 1028 9 174 106 no
1121 1068 8 158 105 si
1156 1050 8 155 110 si
955 902 9 140 106 no
1082 1011 8 158 107 si
1080 1005 8 126 107 si
1078 1021 8 165 106 si
841 781 7 121 108 no
1126 1071 8 116 105 no
1126 1116 10 162 101 no
907 807 8 108 112 no
1129 1011 9 155 112 si
1159 1100 8 144 105 si
841 781 7 108 100 min
1213 1116 10 174 123 max
1109 1037 8 144 107 mean
Table 2. Measurements of the gyrogonite population of Nitellopsis (T.) merianii in the Molasse Basin from
the samples NMA /1885 (n=25 gyrogonites).
13
2.3.2 Blätter und Fruktifikationen (H.-J. GREGOR)
In die postriesische Sand und Kiesabfolge (Schüttungszyklus Z9) sind immer wieder limnische Mergellinsen
eingeschaltet. Eine weit über dem Brockhorizont aufgefundene Mergellinse in den postriesischen Kiesen (ca.
508 – 510 m NN) lieferte eine reiche fossile Flora (Derching 1) mit zahlreichen Blatt- und Fruchtresten
(SCHMIDT 1976, 1980). Neben dem Flügel einer Biene (GREGOR 1984), beschreiben SCHMID &
GREGOR (1985) Grabspuren von Ephemeropteren-Larven. Diese U-förmigen, schräg ins Sediment ange-
legten Spreitenbauten von Eintagsfliegen treten häufig am Top limnischer Mergellinsen auf.
SCHMID entdeckte 1984 eine etwa 5 m lange und ¾ m dicke Mergellinse, die aus tausenden von gut
eingeregelten Flussperlmuscheln der Gattung Margaritifera bestand und den Florenmergel Derching 1
überlagerte.
Praktisch alle Schalen waren schwer durch Abrollung im Sediment beansprucht und erodiert (Material wird
ausgestellt im Naturmuseum Augsburg (NMA Eingangsnummer /536). Die damals erfolgte Ausgrabung auf
die sehr ausgedehnte Linse mit den Schalen wurde von den Herren M. ACHTELIG (Leitung NMA
Augsburg), D. EMMERICH (Präparation NMA Augsburg), R. RIEDERLE (Eppishausen), P. VEIT
(München) und Autor GREGOR vorgenommen.
Die Auswertung der Flora Derching 1 zeigt, dass zahlreiche Pflanzen auftreten, die überflutungsresistent
bzw. wasserangepasst sind. So kommen beispielsweise häufig Weiden und Pappeln vor, die typisch sind für
eine von längeren Überflutungen geprägte Weichholzaue. Anhand der Pflanzenfossilien lässt sich somit eine
Auenvegetation rekonstruieren, die aus laubabwerfenden, sommergrünen Wäldern besteht, die noch einen
bestimmten Anteil an exotischen Pflanzen aufweist. Durch zahlreiche Blätter konnte die Gattung
Daphnogene belegt werden (siehe V. WEBENAU 1995). Bei Daphnogene handelt es sich um eine
paläotropische (immergrüne) Gattung, was darauf hinweist, dass zur Zeit des Mittelmiozäns in unseren
Breiten deutlich wärmere Jahresmitteltemperaturen geherrscht haben (vgl. Kap. 4.4).
Flora Derching 1 aus einer Mergellinse innerhalb der postriesischen Kiese (GREGOR 1982,
SCHMID & GREGOR 1985, SCHMIDT 1976, 1980, SEEHUBER 2002, V. WEBENAU 1995,
Höhe ca. 508 -510 m NN):
Diasporen (Früchte und Samen):
Populus sp.
Salix sp.
Leguminocarpum sp.
Corylus sp.
Ulmus sp.
Liquidambar magniloculata
Koelreuteria macroptera
Ailanthus sp.
Passiflora sp.
Blätter:
Populus balsamoides GOEPPERT
Populus populina (BRON.) KNOBLOCH
Populus sp.
Salix lavateri AL. BRAUN
Salix angusta AL. BRAUN
Salix sp.
Platanus leucophylla
Myrica sp.
Quercus mediterranea
Ulmus pyramidalis
Ulmus minuta
Zelkova ungeri
Zelkova zelkovaefolia
Daphnogene polymorpha
Liquidambar europaea
Leguminosae gen. et spec. div.
Sapindus falcifolius
Berchemia multinervis
Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass im Mittelmiozän im Vergleich zur heutigen Zeit in
Süddeutschland deutlich wärmere Temperaturen geherrscht haben. Hinsichtlich der Temperaturangaben gibt
es jedoch unterschiedliche wissenschaftliche Auffassungen. Zukünftige Forschungen werden sicherlich
weitere paläoklimatische Daten liefern, welche dann ggf. eindeutige Rückschlüsse zulassen.
14
2.3.3 Neogene Palmreste, ein Überblick in Mitteleuropa
Eine erste kritische Würdigung fossiler Palmen in Mitteleuropa findet sich bei GREGOR (1980), wobei die
Obere Süßwasser-Molasse Bayerns und Baden-Württembergs als Fundgebiete bevorzugt wurden.
Sehen wir uns andere, auch europäische Fundstellen an, so gibt es häufig ähnliche Probleme, die oftmals zu
falschen Interpretationen geführt hatten. Die folgende Aufstellung umfasst bereits bekannte und in
Untersuchung befindliche Floren:
 Stare Gliwice in Polen (SZAFER 1963). Hier ist eine obermiozäne Flora beschrieben worden, die
aus gemäßigten Elementen besteht, aber auch einen Palmfund aufweist. Nach Übersetzung des
polnischen Textes war klar, dass der Palmfund aus einer unterlagernden Schicht kommt, also älter
sein muss, was dann die Palme durch den Hiatus erklären dürfte (tiefere stratigraphische Lage, damit
wärmeres Klima).
 Unterwohlbach (GREGOR & SCHMITT 2016). Hier liegt eine hangende Ginkgo-Schicht vor
(stratigraphisch postriesisch), unterlagert von einer Hemitrapa führenden, älteren, aber ebenfalls
schon postriesischen Lage – aber keine Palmreste.
 Rauscheröd bei Passau (GREGOR & HOLLEIS 2017). Die im liegenden Kies (Ottnang)
vorkommenden tropischen Hölzer (GOTTWALD 1997) haben mit den hangenden Blatt- und
Fruchtlagen (Karpat) nichts gemein, sondern sind als umgelagerte Funde zu interpretieren.
Palmoxylon-Funde stammen aus dem Ortenburger Schotter und sind aus dem Eozän umgelagert
(vgl. auch GREGOR et al. 2005, GREGOR & HOLLEIS 2017).
 Höllkreuth und Arth bei Landshut (in Bearbeitung GREGOR & SCHMITT). Hier ist die Diasporen-
Flora von Arth eindeutig älter (Phytozone OSM-1) als die nur wenige 100 m entfernte Linse von
Höllkreuth (OSM-2), die als Blatt- und Fruchtflora auch ökologisch anders geartet ist. Hier wieder
keinerlei Palmreste, trotz stratigraphischer Möglichkeit.
 Deggendorf (GREGOR & HABERDA 1993) mit inkohlten Palmresten in der Unteren Serie. In
dieser Arbeit wurden bereits erstmals die Probleme bei fossilen Palmfunden in der Molasse und im
europäischen Raum erörtert.
 Seltsamerweise fanden sich in der Oberpfälzer Braunkohle keinerlei stammbürtige Palmreste oder
gar Sabal lamanonis, obwohl das klimastratigraphisch durchaus zu erwarten wäre.
 Die von GIVULESCU & BARBU (1999) erwähnte Chamaerops humilis aus dem Miozän
Rumäniens ist wohl nicht mit der mediterranen Art gleichen Namens in Verbindung zu bringen,
sondern mit Chamaerops helvetica. Die Autoren gehen auf weitere Vorkommen in Europa ein und
nennen Vergleichsfloren. Das sarmatische Alter des Fossils wird bestätigt.
 Die von HANTKE et al. (2005) von Wattwil erwähnte Flabellaria ist vermutlich ebenso eine Sabal
lamanonis mit schmaler Spreitenausbildung, was auch zu den fluviatilen Sedimenten passt.
 HANTKE beschäftigte sich mit Spreitenpalmen aus der Schweizer Molasse und zog Klimadaten
dazu heraus (1953, 1984).
 VELITZELOS et al. 2014 erwähnen Chamaerops helvetica aus Griechenland, von Lykovi und
Aetochori (Thrakien, Rupel-Chatt, vulkanischer Komplex der Evros Berge). Die Art kommt in
Europa vom Oberen Eozän bis zum Mittleren Miozän vor (ibid. S. 69 und MAI 1995).
Diese kurze Liste zeigt verschiedene Probleme an verschiedenen Fundorten, wobei sich sofort eine
„Abfolge“ eruieren lässt, somit eine Altersverschiedenheit.
2.3.4 Palmreste aus der Molasse von Derching
Arecales – Arecaceae
SABAL ADANSON
Sabal lamanonis BRONGN.
15
1855 Sabal lamanonis – HEER: 86, Taf. XXXIII, XXXIV/1,2
Tafel 3, Fig. 1, Tafel 4, Fig. 1
Beschreibung: Spreite schmal, mit vielen engstehenden Strahlen. Petiolen schmal, ebenso Rhachis, die
undeutlich ausgebildet ist. Strahlen leicht gerieft und dachartig gekielt.
Häufigste fossile Art im Tertiär, weit verbreitet und stratigraphisch variabel vom Paläogen bis ins Neogen.
2021 bekam Autor GREGOR vom Fossiliensammler TRAUTWEIN ein großes Handstück, das eindeutig
Reste einer fächerblättrigen Palme zeigte, die aus dem Schüttungszyklus Z9, aber wohl weit unterhalb der
„Ulmenflora“ Derching 1 stammen. Sie ergänzt frühere Reste von palmähnlichen Gebilden, auch die von R.
KUHN aus Günzburg, die von Autor GREGOR erst als „Cyperaceen“ interpretiert wurden. Nun müssen wir
davon ausgehen, dass auch postriesisch Palmreste vorkommen können, wenn auch selten.
Es müsste sich jedenfalls um stammbürtige Palmen handeln, also keine Würger wie Calamus, die mit der Art
C. daemonorhops z.B. in Ponholz vorkommt (GREGOR 1989).
Diese Funde passen nicht zu der oben genannten Flora Derching 1, sondern deuten viel wärmere und damit
klimastratigraphisch ältere Sedimente bzw. Funde an.
HEER (1855: 84-97) hat bei seiner Bearbeitung der Funde von Öhningen und anderen Fundstellen der
Schweiz und Baden-Württembergs eine Reihe von Palmen aufgeführt: Der Vergleich mit Chamaerops
hunilis ergänzt die anatomischen Gegebenheiten und führt über zum Standortvergleich mit trockenen Orten
bei Chamaerops und sumpfigem Milieu bei Sabal palmetto.
Taxon Seite Taf./Abb. Rezentvergleich, Bemerkungen
Chamaerops helvetica 86 XXXI, XXXII Breite Spreite, Chamaerops humilis
Sabal lamanonis 86 XXXIII, XXXIV/1, 2 Schmale Rhachis und Spreite, Sabal
Adansonii
Sabal major 88 XXXV, XXXVI/1, 2 Deutliche Rhachis, Sabal
umbraculifera
Flabellaria latiloba 90 XXXVI/3 Rhachis undeutlich, Spreite breit, —
Flabellaria Rüminiana 90 XXXVII Rhachis kurz, div. Fächerpalmen incl.
Corypha
Fiederpalmen 91-94 — Kein Vergleich
Tab 3: Liste der fossilen Palmen von Öhningen und anderen Fundstellen der OSM
Notizen von der Exkursion E 638 zeigen nach Autor GREGOR die Palmenlage (eisenschüssige Fossilreste,
Rhizome) im damals untersten Teil der Grube (wohl tiefer Bereich des Schüttungszyklus Z9) in situ in einer
Mergellinse (Derching 2 genannt). Daneben gab es auch unbestimmbare Blattreste. Im Liegenden und
Hangenden fanden sich eindeutig postriesische Kiese (vgl. Abb. 5).
3 Der riesische Brockhorizont (W. FIEST)
3.1 Allgemeines
Das Riesereignis fiel im Molassebecken in eine kleinere Erosionsphase, die präriesiche Erosionsphase II
(z.B. HEISSIG & FIEST 1994).
Der präriesische Deckmergel (Schüttungszyklus Z6-2 sensu FIEST 1994) war schon vor dem Riesimpakt
Verwitterungs- und Erosionsfläche. Zusätzlich wurden die oberen Bodenhorizonte durch die Impakt-
Druckwelle weggeblasen (s. BUCHNER, SACH & SCHMIEDER 2020). Der Deckmergel bildete somit die
16
Basis des primären Brockhorizontes Typ I. In kleinere, bereits bestehende präriesische Erosionsrinnen
wurden zeitnah zum Impakt kleinere Brocken gespühlt (Brockhorizont Typ II). Größere Malmkalkblöcke
germanischer Fazies, die direkt dem präriesischen Deckmergel auflagerten, waren noch längere Zeit der
terrestrischen Verwitterung ausgesetzt. Dies zeigen die meist vorhandene Verwitterungsrinde und die
abgeflachte Oberfläche größerer Malmkalke. Die Brockhorizonte Typ I und II werden im Brockhorizont-
Zyklus Z7 zusammengefasst. Der Schüttungszyklus Z8 setzte erst einige Zeit nach dem Riesereignis ein und
trug den primären Brockhorizont teilweise wieder ab, bzw. verschleppte ihn, wie anschließend auch Zyklus
Z9, in höhere stratigraphische Niveaus. Auch faunistisch hat der Brockhorizont-Zyklus Z7 mit der
Cricetidenzone OSM-CrZ 7 sensu FIEST (1994) seine Berechtigung (s. HEISSIG & FIEST 1994).
Der Brockhorizont ist als sichere absolute Zeitmarke in der OSM der beste stratigraphische Leithorizont. Er
teilt die Mittlere Serie in einen präriesischen und einen postriesischen Abschnitt. So können fazielle,
geomorphologische, tektonische aber auch faunistische und floristische Verhältnisse unmittelbar vor und
nach dem Riesereignis verglichen werden.
Die verschiedenen in der Literatur verwendeten Begriffe sind nicht immer ganz deckungsgleich. So beziehen
sich die Begriffe „Reutersche Blöcke“, „ortsfremde Weißjuragesteine“ oder „Malmkalk- Trümmermassen“
teilweise nicht auf Vorkommen des Brockhorizontes, sondern auf Funde an der Molasseoberfläche,
unmittelbar an der Basis pleistozäner Schotter.
Gerade bei den „Reuterschen Blöcken“ konnte für eine Reihe von Beispielen deren Herkunft aus
Liefergebieten des plio-pleistozänen Donaulaufes nachgewiesen werden.
Der Begriff „Blockhorizont“ suggeriert das Vorkommen großer Blöcke, was keineswegs für alle Vorkommen
von Auswürflingen typisch ist. Dem Begriff „Brockhorizont“ wird daher der Vorzug gegeben.
Die auf das Riesereignis zurückzuführenden Auswürflinge setzen sich fast ausschließlich aus Malmkalken,
vorwiegend Bank- und Massenkalken fränkisch-schwäbischer (germanischer) Fazies, zusammen. Einzelne
Sandsteine aus Kreide oder Dogger (z. B. Eisenoolithmergel), Tone des Lias delta und Gneisfragmente
wurden als seltene Ausnahme beschrieben (HEISSIG & FIEST 1994).
HEISSIG & FIEST (1994) unterscheiden verschiedene Lagerungstypen von Weißjuraauswürflingen, die
neben- und übereinander vorkommen können:
I: Primärer Brockhorizont im Hangenden des „Präriesischen Deckmergels“, meist diesem direkt aufliegend.
Dabei handelt es sich um große und mittelgroße Stücke von mehr als 1 cm Durchmesser.
Dort, wo größere Malmkalke auf der Oberfläche der Deckmergel längere Zeit der atmosphärischen
Verwitterung ausgesetzt waren, wie z. B. in Eberstetten, Entrischenbrunn, Prambach und Volkenschwand
sind sie gut kantengerundet bis einseitig gerundet mit schildkrötenpanzerartig gewölbter Oberfläche und
Verwitterungsrinde. Ein Fund aus Eberstetten erinnert größen- und formmäßig an ein Brathähnchen.
Besonders große Brocken sind aus Entrischenbrunn (100 x 70 x 30 cm) und Unterzolling (von 50 x 40 x 30
cm bis 100 x 70 x 50 cm) überliefert – kleinere wurden meist in schon präriesisch bestehende Erosionsrinnen
geschwemmt oder verwitterten direkt an der Oberfläche.
II: Primärer Brockhorizont in Erosionsrinnen über Mergeln, Sanden oder Kiesen verschiedener
stratigraphischer Horizonte. Es gibt dabei keine Untergrenze in der Größe der Auswürflinge, da die
Eindeckung relativ rasch erfolgte. Ein auffällig großer Fund von 120 x 76 x 40 cm wird von
SCHEUENPFLUG (1980) aus der Sandgrube WSWZiemetshausen beschrieben. III: Früh postriesisch umgelagerte Auswürflinge (sekundärer Brockhorizont) in einer Flussrinne. Mehr oder weniger kantengerundete Stücke von maximal einigen cm Durchmesser. IV: Postriesisch in Verbindung mit Schottern des Unterzolling-Zyklus oder ihrer Äquivalente umgelagerte Auswürflinge (sekundärer Brockhorizont). Kantengerundete Stücke von maximal einigen Zentimetern Durchmesser. 17 V: Spät postriesisch infolge von tektonischen Bewegungen und nachfolgender Erosion in höhere stratigraphische Niveaus umgelagert. Meist stärker abgerollte Einzelfunde. Die Bezeichnung Brockhorizont kann hier nicht angewendet werden. VI: Auswürflinge an der Basis quartärer Schotter, in unmittelbarer Nähe von Vorkommen der Typen I - IV. Kein Brockhorizont. VII: Auswürflinge an der Basis quartärer Schotter, ohne Zusammenhang mit dem Brockhorizont, entweder oder durch Erosion ohne Transport (wegen zu großen Gewichts) auf tiefere Molasse-Niveaus hinunterprojiziert. Diese Genese trifft für einen Teil der typischen Reuterschen Blöcke zu. 3.2 Der präriesische Deckmergel und die Frühfolgen des Riesereignisses Direkt unter primären Brockhorizonten wurden mehrfach gestauchte tonige, schluffige und feinsandige Sedimente beobachtet (HEISSIG & FIEST 1994). BUCHNER, SACH & SCHMIEDER (2020) beschreiben für die Biberacher- und Ravensburger Molasse eine Abfolge von Ereignissen mit einem radialen Mindestabstand von 180 km zum Rieskrater, deren Auswirkungen sich überlagern und eine völlig zerstörte oberflächennahe Umgebung hinterlassen. Als Erstes passierten für ca. 45 Sekunden Erdbebenwellen (P- und S-Wellen) diese Schadenszone, deren seismische Energie in den oberen Metern der wassergesättigten Oberen Süßwassermolasse intensive Senkungen und Deformationen von Lockersedimenten und lokal clastic dikes (Seismite) verursachte. Etwa 2 Minuten nach dem Einschlag erreichte eine heiße Luftdruckwelle das Untersuchungsgebiet, fegte Wälder und Böden weg, deformierte weiche Sedimente und hinterließ eine fast perfekte, ebene Paläooberfläche, eine „Katastrophentopographie“. Nach etwa 3 bis 4 Minuten setzte ein Bombardement mit Steinen, Geröll und Felsbrocken ein. Schließlich folgten auf den Ries-Einschlag heftige Regenfälle und Sturzfluten, wie sie von Vulkanausbrüchen her bekannt sind. Neben dem von distalen Riesauswürfen überlagerten Seismit entdeckten BUCHNER et. al. (2020, 2022) clastic dikes, die den Ries-Seismit sowie ungestörte postriesische Ablagerungen durchschneiden. Sie vermuten, dass diese wahrscheinlich als Reaktion auf den Steinheim-Einschlag entstanden sind, der vor ca. 14 Ma, etwa 0,8 Ma nach dem Riesereignis, stattgefunden haben soll. Die postriesischen Seismite könnten aber auch als Folge von Intramolassebeben oder Beben im Zusammenhang mit der Einsenkung des Oberrheingrabens entstanden sein. Liquefaction kann in feinklastischen, wassergesättigten Sedimenten schon bei Erdstößen mit einer Magnitude von < Mw 6 ausgelöst werden. In der Ostmolasse sind Seismite bisher nicht bekannt und aufgrund der im Vergleich zur Westmolasse gröber klastischen Ausbildung der Sedimente auch nicht zu erwarten. Der präriesische Deckmergel ist auf dem Nordflügel der östlichen Vorlandmolasse Bayerns nahezu flächendeckend verbreitet (s. Abb. 7). Besondere Lagerungsverhältnisse sind durch eine geomorphologisch-tektonisch bedingte Schichtlücke auf dem Landshut-Neuöttinger-Hoch z. B. aus Volkenschwand (ULBIG 1985) und Wachelkofen (FIEST 1994) zwischen dem Brockhorizont-Zyklus Z7 und dem fein-klastischen Zyklothem des Göttschlag-Zyklus (Zyklus Z9), also der Sand-Mergel-Decke s. str. bekannt. Hier reduziert sich die Abfolge auf den präriesischen Deckmergel, den Brockhorizont und die Sand-Mergel-Decke mit dem Hauptbentonitlager. Der gesamte Zyklus Z8 (Unterzolling-Zyklus) sowie das grobklastische Zyklothem des Zyklus Z9 fehlen hier also. S und SW´ Landshut ist der Deckmergel im Aufschluss Schloßberg ausgebildet. Dagegen ist der Brockhori-
zont in Tiefenbach und Achdorf in grobklastische Sedimente eingebettet. (s. ULBIG o. A.). Die Deckmergel
wurden dort bereits präriesisch erodiert. Zudem könnten die Malmkalke später umgelagert worden sein.
18
Aus Niedertrennbach, etwa 30 km E´ Landshut, beschreibt Herold (1969) eine „Malmkalktrümmermasse“.
An einer einzelnen Stelle von einigen Metern Durchmesser sind zerrüttete bis mylonitisierte Blöcke, kom-
pakte Brocken und Splitter von Weißjurakalk in einem obermiozänen Sandmergel eingelagert.
In Entrischenbrunn (SE´ Pfaffenhofen) war im Juni 2023 für kurze Zeit die Oberfläche des präriesischen
Deckmergels auf einer Fläche von mehr als 200 m2 aufgeschlossen. Es konnten eine eingeebnete, gestauchte
Oberfläche, beim Aufschlag eingedrungene Malmkalke und drei etwa N-S-streichende, nach W einfallende
antithetische Störungen dokumentiert werden. Der Mergel wurde von einem bis zu 2 m breiten, etwa N-S
verlaufenden Bach durchschnitten. Das grobsandige Bachsediment enthielt eine Reihe von
Süßwassermuscheln der Gattung Margaritifera und einige seitlich eingeschwemmte Malmkalkbrocken. Der
größte gefundene Malmkalkblock (100 x 70 x 30 cm) war, wie auch die anderen Auswürflinge, nach dem
Riesereignis für längere Zeit der Oberflächenverwitterung ausgesetzt und zeigt die hierfür typische einseitige
Oberflächenrundung und Verwitterungsrinde (Profilaufnahme FIEST, Juni 2023).
In der Umgebung von Pfaffenhofen findet sich der Deckmergel mit auflagerndem Brockhorizont auch in
Prambach I und II, Eberstetten und Heißmanning. Bei Streitdorf ist der Brockhorizont in eine Sandabfolge
eingelagert und bei Frickendorf sind Geländefunde bekannt.
Ferner sind Brockhorizonte mit mehr oder weniger Bezug zum Deckmergel bei Moosburg (Zieglberg I und
II), Bruckberg (Wollersdorf I und II, Enghausen, Geiting und Priel), Freising (Geierlambach und
Unterzolling) sowie in Au verbreitet (s. hierzu auch ULBIG o. A.).
NWder Paar zwischen Dasing und Gallenbach wurden einige neue Brockhorizonte entdeckt (SCHMID 1994). In Pfaffenzell 3 und Griesbeckerzell lassen umgelagerte Mergelgerölle, die zusammen mit dem Brockhorizont auftreten evtl. Rückschlüsse auf das Vorkommen des Deckmergels zu. SW der Paar ist der
Brockhorizont in Oberneul und Weidach bei Gallenbach in sandige Sedimente eingebettet. Aus Gallenbach
selbst beschreiben STEPHAN (1952) und SCHEUENPFLUG (1980) Schluffe und schluffige Mergel im
Liegenden des Horizontes.
Der Brockhorizont von Unterneul (FIEST 1986, 1989) wurde bereits in Abschnitt 2 erwähnt. Hier wurde der
Deckmergel bei der Anlage einer N-S verlaufenden Erosionsrinne während der 2. präriesischen
Erosionsphase fast vollständig erodiert und blieb nur im W-Teil der Grube auf ca. 475 m NN erhalten.
Am Nordrand des Molassebeckens (Bohrungen E Buttenwiesen) haben sich während der 2. präriesischen
Erosionsphase sogar über 100 m tiefe Erosionsrinnen in den Ablagerungen der Älteren Serie gebildet, die
durch den Rieseinschlag vollständig mit Bunter Breccie verfüllt wurden. (frdl. schriftl. Mitt. DOPPLER und
JUNG).
W des Lechs bzw. der Schmutter (SCHEUENPFLUG 1980, SEEHUBER 2009) finden sich in den
Brockhorizonten von Agawang, Deubach, Hohenraunau und Ziemetshausen keine Hinweise auf den
präriesischen Deckmergel. Die Verhältnisse in der Lokalität Kirrberg-Tongrube (s. SEEHUBER 2009)
bedürfen noch einer genaueren bio- wie lithostratigraphischen Analyse.
Im Bereich Biberach-Hochgeländ (SACH 1997) wird der Brockhorizont im Aufschluss Wannenwaldtobel
von geringmächtigen Sandmergeln unterlagert.
Lithostratigraphisch liegt der präriesische Deckmergel im Schüttungszyklus 6-2, also Wachelkofen-Zyklus 2
sensu FIEST (1994) (s. Abb.6) und repräsentiert dort das in der Regel am Ende jedes Schüttungszyklus
einsetzende feinklastische Zyklothem mäandrierender Flusssysteme im hangenden grobklastischer braided-
river-Sedimente (grobklastisches Zyklothem).
Genetisch handelt es sich um gewöhnliche, entschichtete, stark bioturbierte Auensedimente, meist
feinsandige bis tonige Mergel, die aber in diesem speziellen Fall die Basis des primären Brockhorizontes
bilden, daher sicher anzusprechen und stratigraphisch genau einzuordnen sind.
19
Eine umfassende Arbeit über den Nördlinger Impaktkrater, die Auswürflinge („Reutersche Blöcke“) und
allgemein zum Brockhorizont legten LANGE & SUHR (2022) vor.
3.3 Biostratigraphische Einstufung des Brockhorizontes
FIEST (1994) stuft die Cricetidenfaunen des Brockhorizontes in seine Cricetidenzone OSM-CrZ 7 (s. Abb.
6) ein. Die Funde sind die ältesten faunistischen Belege der postriesischen Mittleren Serie, bzw. der
Säugerzone MN 6 in der Oberen Süßwassermolasse Bayerns.
Als Referenzfauna wird die von BOON (1991) bearbeitete Fundstelle Ziemetshausen 1b gewählt, da dort
ihre Position im Brockhorizont, der ersten Sedimentation nach dem Riesereignis, am besten belegt ist. Die
etwa gleichaltrigen Faunen Geierlambach, Unterneul 1c und Hohenraunau (vgl. HEISSIG 1989) sind leider
sehr individuenarm.
Gegenüber der Cricetidenzone OSM-CrZ 6 ergeben sich folgende Veränderungen:

  • Auffällig ist, dass M. lappi, wie z.B. in Eberstetten (NW` Pfaffenhofen), nur bis knapp unterhalb des
    präriesischen Deckmergels vorkommt, in diesem aber bisher, wie auch in Derching 1b, nicht nachgewiesen
    werden konnte.
    Biostratigraphisch steht Megacricetodon lappi von Eberstetten noch in der Säugerzone MN 5 bzw.
    Cricetidenzone OSM-CrZ 6.
    Die ökologische Nische, die Megacricetodon lappi freimacht, wird nach BÖHME et.al. (2001) vermutlich
    durch Megacricetodon aff. gersii neu besetzt.
    Logischerweise stände M. aff. gersii in der Entwicklungslinie M. collongensis – aff. collongensis-gersii –
    roussillonensis. Metrisch liegen die wenigen Funde aus Derching 1b zwar im untersten Variationsbereich von
    M. gersii, doch stellt sich dann die Frage, wo hat sich die Art in der Zeit zwischen den Cricetidenzonen
    OSM-CrZ 0 und CrZ 6 versteckt, und wohin und warum ist sie gleich wieder ausgewandert, denn für die Zeit
    nach OSM-CrZ 6 bzw. Schüttungszyklus 6-2 ist sie in der Oberen Süßwassermolasse Bayerns nicht belegt.
    Megacricetodon. gersii zählt zu der Gruppe der merkmalarmen Megacricetiden, deren Artbestimmung meist
    nur auf Grundlage metrischer Daten erfolgt. Für detaillierte zahnmorphologische Vergleiche wäre mehr
    Material nötig.
    PRIETO & RUMMEL (2016) sehen in den vermeintlichen M. gersii Funden eine etwas größer
    dimensionierte Population von Megacricetodon minor (s. Kapitel 2.2.1). Allerdings sind die die Funde aus
    Derching 1b (OSM-CrZ 6) bereits größer als die der jüngeren Ziemetshausener Population (OSM-CrZ 7).
    Auch FIEST (1994) interpretiert den Einzelfund eines M1 aus Wachelkofen 1b (OSM-CrZ 6,
    Schüttungszyklus Z6-2) zuerst als großen M. minor, obwohl dieser alle jüngeren M. minor metrisch
    übertrifft.
    Später stellen HEISSIG & FIEST (1994) diese Form jedoch an die Basis der Megacricetodon aff.
    germanicus–germanicus-Entwicklungsreihe. Diese Zuordnung wird für die Derchinger Population
    beibehalten und in die Faunenliste (Nachtrag) anstelle M. aff. gersii übernommen, was bedeutet. dass die
    Faunenzone OSM E‘ (BÖHME et.al.2001) nicht nur aus diesem Grund obsolet ist. Auch lithostratigraphisch
    hat sie keine Berechtigung.
  • M. minor aus Ziemetshausen 1b (OSM-CrZ 7) stimmt nach BOON (1991) metrisch und morphologisch mit
    den Funden der Typuslokalität für MN 6, Sansan, überein.
  • Cricetodon meini aus der Cricetidenzone OSM-CrZ 7 nimmt deutlich an Größe zu und entwickelt sich in
    OSM-CrZ 8 zu Cricetodon aff. meini, erreicht aber Cricetodon aff. aureus metrisch bei weitem noch nicht,
    der zudem erst in der Cricetidenzone OSM-CrZ 9 auftritt (vgl. BOLLIGER 1994).
    20
  • Democricetodon mutilus wird in Ziemetshausen 1b durch eine Art vertreten, die in der Größe zwischen D.
    mutilus und D. gracilis liegt. Sie ist deutlich kleiner als die kleinwüchsige Population von Unterneul 1a
    (OSM-CrZ 6), stimmt aber mit dem kleinen D. aff. mutllus von Unterneul 1c (OSM-CrZ 7) überein, neben
    dem dort auch D. gracilis unverändert vorkommt. Eine Deutung dieses Befundes ist noch nicht möglich.
  • Die Gattung Eumyarion lässt keine metrischen Verschiebungen erkennen.
  • Die Faunenkompositionen von West- und Ostmolasse, wo während der Säugerzone MN 5 im W
    hauptsächlich Megacricetodon und im E vorwiegend Democricetodon vorkamen, sind ab MN 6 bzw. OSM-
    CrZ 7 nicht mehr deutlich zu unterscheiden.
  • Ansonsten gilt nach wie vor “No effect of the Ries impact event on the local mammal fauna” (HEISSIG
    1986).
  • Die oben genannten Faunenveränderungen sind eher stratigraphischer als katastrophischer Natur, bedingt
    durch eine Sedimentationspause, zwischen dem Wachelkofen-Zyklus 2 (Zyklus Z6-2) und dem Unterzolling-
    Zyklus (Zyklus Z8) sowie der zweiten präriesischen Erosionsphase.
    3.4 Lithostratigraphische Einstufung des Brockhorizontes
    Der Brockhorizont bildet gemeinsam mit den früh-postriesischen Bildungen den Brockhorizont-Zyklus Z7.
    Er wird durch die 2. präriesische Erosionsphase vom Wachelkofen-Zyklus 2 (Zyklus Z6-2) getrennt und von
    grobklastischen Sedimenten des Unterzolling-Zyklus (Zyklus Z8) überlagert (s. Abb. 6 a, b).
    3.5 Magnetostratigraphie und radiometrisches Alter des Ries-Impaktes
    Nach ROCHOLL et.al. (2018) lässt die paläomagnetische Systematik nur zwei alternative Einschlagsalter zu,
    die durch die Orbitalabstimmung eng eingegrenzt sind, da der Einschlag des Riesmeteoriten gleichzeitig mit
    einem Wechsel von einer umgekehrten zu einer normalen Polarität erfolgte. Die beiden in Frage kommenden
    magnetostratigraphischen Grenzen liegen bei etwa 14.609 Ma (C5ADr-C5ADn-Grenze) und 14.870 Ma
    (C5Bn.1r-C5Bn.1n-Grenze).
    LANGE & SUHR (2022) erwähnen eine Reihe radiometrischer 40Ar/39Ar und 238U/206Pb Datierungen, die
    nach 2002 durchgeführt wurden. Die ermittelten Alter schwanken zwischen 14,50 ± 0,32 Ma und 14,98 ±
    0,11 Ma.
    Eine von SCHMIEDER et.al. (2018) durchgeführte ARGUS VI-Multikollektor-Massenspektrometer-Analyse
    an drei Moldavitproben ergab drei fast vollständig übereinstimmende Plateau-Alter mit einem gewichteten
    Durchschnittsalter von 14.808 ± 0.021 [± 0.038] Ma.
    Nach ROCHOLL et.al. (2018) steht dieses Einschlagsalter im Widerspruch zur paläomagnetischen
    Systematik und wäre somit geologisch unmöglich, selbst innerhalb des externen 2-Sigma-Fehlers.
    Dennoch denke ich, dass man mit einer Spanne zwischen 14.808 Ma und 14.870 Ma sehr gut leben kann.
    3.6 Höllkreut – Weißjurageröll – Horizont
    Dieser Horizont ist leicht mit dem riesischen Brockhorizont zu verwechseln, unterscheidet sich aber durch
    seine Ausbildung und vor allem durch seine stratigraphische Lage von diesem. Er wurde bisher nur im
    Gebiet von Furth (NWLandshut) in mehreren Aufschlüssen (Frohnberg, Höllkreut-Fa. Hochstetter, Furth, Linden und evtl. Arth, s. Abb. 7) 1989 von FIEST (in. Bearb.) nachgewiesen. Es handelt sich um bis zu 8,5 cm Durchmesser große, meist sehr gut kantengerundete bis hühnereiförmige, gelbbraune Malm-Plattenkalke germanischer Fazies. Dazu fand sich ein längliches, gut gerundetes karbonatfreies Sandsteingeröll mit 9 cm Durchmesser, das wohl den kretazischen Schutzfelsschichten entstammt. 21 Die vermutlich katastrophenartige Schüttung des Geröllhorizonts erfolgte während der 1. prärieschen Erosionsphase direkt aus dem N anstehenden Fränkischen Jura, als kein fluviatiles E-W verlaufendes
    braided-river-System den Schuttstrom blockieren und die Malmkalke gleich wiederaufarbeiten und
    abtransportieren konnte.
    Die Kalkgerölle liegen den typischen, rötlich-braunen, Mittelsanden des Affalterbach-Zyklus 2 (Zyklus Z5-
    2) auf oder sind mit diesen vermengt. Im folgenden Wachelkofen-Zyklus 1 (Zyklus Z6-1) wird der Horizont
    teilweise aufgearbeitet und einzelne Gerölle bis zu 5 m höher verschleppt. Dies hat vermutlich tektonische
    Ursachen, die jedoch noch nicht geklärt sind.
    Ein stark verwittertes und sehr gut gerundetes Malmkalkgeröll germanischer Fazies, das im oberen Bereich
    der Kiesgrube Unterempfenbach II (Wachelkofen-Zyklus Z6-1?) bei Mainburg gefunden wurde, könnte ein
    Umlagerungsprodukt dieses Horizonts sein. Das präriesische Alter des Höllkreut Weißjurageröll-Horizonts
    wird durch das Vorkommen von Megacricetodon lappi (frdl. mündl. Mitt. PRIETO) im hangenden
    feinklastischen Zyklothem des Wachelkofen-Zyklus Z6-1 und dem Fund einer Flora aus dem Jahr 2019
    durch SACHSE und FIEST in eingeschalteten limnischen Mergeln des grobklastischen Zyklothems des
    Wachelkofen- Zyklus Z6-2, die GREGOR (frdl. mündl. Mitt.) eindeutig als präriesisch einstuft, untermauert.
    3.7 Schüttungszyklen
    Anmerkung zu den Schüttungszyklen der Älteren- und Mittleren Serie der Oberen Süßwassermolasse
    Bayerns sensu FIEST (1994), HEISSIG & FIEST (1994) und FIEST (in Bearb.):
    Bei den Schüttungszyklen der Älteren- und Mittleren Serie (s. Abb. 6a, b u. Abb. 7) handelt es sich
    ausschließlich um Schuttfächer bzw. beckenaxiale Schüttungen der Paläo-Enns, die W` der Amstettener
    Schwelle ins Molassebecken eintrat, nachdem sie vorher inneralpin in W-E-Richtung der SEMP (Salzach-
    Enns-Mariazell-Puchberg-Störungszone) folgte.
    Die grobklastischen Sedimente der östlichen- und mittleren Vorlandmolasse Bayerns entwickelten sich nach
    W zur Glimmersand-Schüttung der Schweizer Molasse.
    Das Paläo-Enns- und das Glimmersand-Stromsystem entwässerten über das Rhonetal ins Mittelmeer und
    können somit auch als Paläo-Enns-Rhone-System bezeichnet werden.
    In der Jüngeren Serie wird diese Funktion von einem Paläo-Inn-Rhone-System übernommen, das im Gebiet
    der heutigen „Salzachpforte“ das Molassebecken erreichte, während die Paläo-Enns nun als Paläo-Enns-
    Donau ihren Verlauf nach E über das Moldanubikum ins Wiener Becken verlegte.
    Jeder Zyklus begann mit grobklastischen Ablagerungen eines braided-river Systems (grobklastisches
    Zyklothem), das sich rasch nach W vorschob und endete im Idealfall mit Sedimenten, die in den
    Überschwemmungsauen mäandrierender Flusssysteme abgelagert wurden (feinklastisches Zyklothem).
    Meist weisen die Sedimentationszyklen eine charakteristische Cricetidenfauna auf (s. Abb. 6a).
    Die Einstufung des Derchinger „Characeenmergels“ als eigenständiger Schüttungszyklus Z7 von BÖHME et
    al. (2001), die von SEEHUBER 2002 übernommen wurde, beruht auf einer geologischen Fehlinterpretation
    und basiert auf dem vermeintlichen Nachweis von Megacricetodon aff. gersii (s. hierzu auch Absatz 2.2.1 u.
    3.3). Ein so geringmächtiges und weitgehend erodiertes Mergelvorkommen bildet niemals einen eigenen
    Schüttungszyklus. Darüber hinaus ist ein Schüttungszyklus von der stratigraphisch-sedimentologischen
    Abfolge, nicht vom Vorkommen eines noch nicht einmal eindeutig bestimmten Cricetiden abhängig.
    Der Derchinger „Characeenmergel“ ist ein Äquivalent des präriesischen Deckmergels und dementsprechend
    an den Top des Zyklus Z6-2 (Wachelkofen-Zyklus 2) einzustufen. Zyklus Z7 bleibt dem Brockhorizont und
    früh-postriesischen Bildungen (Brockhorizont-Zyklus Z7) vorbehalten.
    22
    4 Auswertung (H.-J. GREGOR)
    4.1 Palökologische Bedingungen bei den Derchinger Palmen
    Ökologisch passt Sabal lamanonis als „Swamp Palmetto“ sehr gut in die Molasse, speziell zum
    „Molassissippi“ (GREGOR 2007) und seinen „braided river“ bis „meandering river“ Systemen. Auch das
    zugehörige Cfa-Klima ist überzeugend.
    Die fluviatile Fazies des „Molassissippi“ darf jedoch nicht direkt vom Mississippi abgeleitet werden, wo im
    Gegensatz zur OSM keine braided-river Systeme ausgebildet sind (Anm. FIEST).
    Morphologisch sind Chamaerops und Flabellaria auszuschließen, die Gattung Sabal passt am besten zum
    Vergleich in ökologischer Richtung. Die unzähligen Palmreste aus der niederrheinischen Braunkohle haben
    andere Beschaffenheit, vor allem eine deutliche, dreieckige Rhachis an der Blattspreite (vgl. GREGOR,
    LIEVEN et al. 2018, Taf. 4, Fig. 5, 6).
    In der Kurzmiteilung von BUTZMANN (1985) werden die Funde von Engelswies und Wannenberg als
    Chamaerops helvetica HEER bezeichnet, was hier abgelehnt wird. Die Gründe sich mehrschichtig: Die
    Blattspreite ist bei uns schmal mit schmalen Blättern und undeutlicher Rhachis.
    Ökologisch passt Chamaerops nicht ganz ins Biotop der Derchinger Ablagerungen, nämlich eine
    Flusslandschaft mit fluviatil-limnischen Biotopen. Chamaerops ist ein Relikt im sommertrockenen Cw-
    Klima, allerdings könnte die Größe sehr gut zu unseren Fossilien passen. Die neuen Funde werden nach
    HEER also als Sabal lamanonis genannt.
    4.2 Altersstellung und Palökologie von Palmresten in der Molasse
    Wie zu sehen war, haben wir im Landkreis Aichach-Friedberg Floren aus verschiedenen Zeiträumen
    des Mittel-Miozän (Kap. 2). Ähnliches lässt sich nun wohl in Derching postulieren, wobei die
    hangende „Ulmenflora“ Derching 1 und die Palmreste von TRAUTWEIN und KUHN sowie die
    Monocotyledonen-Reste bzw, Palmrhizome von GREGOR (Abb. 3) als postriesisch anzusehen
    sind.
    Die Flora Derching 1 liegt stratigraphisch über der Flora von Burtenbach S‘ Günzburg mit einigen
    Besonderheiten (GREGOR 2006a, b, SACHSE 2022) bzw. von Eberstetten (GREGOR 1982) und
    Gallenbach (SCHMID & GREGOR 1983 und GREGOR & SCHMID 1983) aber unterhalb der Flora von
    Pfaffenzell (SCHMID & GREGOR 1985).
    Folgende, z.T. problematische Palmreste sind aus Molassesedimenten bekannt geworden:
     Palmstacheln von Calamus daemonorops aus der Braunkohle von Rohrhof II (Ponholz, Oberpfalz,
    GREGOR 1989:24); Alter praeriesisch, ROCHOLL et al. 2017
     Blattspreiten von Chamaerops helvetica HEER in Süßwasserkalken von Meßkirch (Lkr.
    Sigmaringen) und Wannenberg bei Tengen (Hegau); BUTZMANN 1985. Blattspreite Chamaerops
    helvetica HEER von Engelswies bei Meßkirch, Alter: Unter- bis Mittelmiozän (SCHWEIGERT
    1992)
     SPITZLBERGER hat 1989 von der Fundstelle Goldern bei Landshut einen Rest einer „karpatischen“
    Fiederpalme mitgeteilt und als Phoenicites jungii bezeichnet. Im Hinblick auf die vielen
    existierenden Phoenicites-Arten müsste hier eine monographische Bearbeitung das Chaos ordnen.
    MAYR et al. 1988 haben die nahebei gefundene etwas ältere Fauna von Niederaichbach
    (Cricetidenzone CrZ 1) mit Goldern verglichen, was sich so nicht halten lässt. Nach heutigem
    Kenntnisstand ist die Flora von Goldern nicht in das Karpat, sondern in das untere Baden zu stellen
    (Anm. FIEST).
    23
     SCHÖTZ (1983) publizierte die etwa gleichalte Fauna von Maßendorf (Cricetidenzone CrZ 3). Die
    Flora aus dem Mergel wurde von Gregor als Karpat-Badenium bezeichnet, was hier nach oben
    korrigiert werden soll (unteres bis mittleres Badenium).
     Blattkutikeln (Monocotyledoneae indet.) von Palmblatt-Einzelfiedern aus dem Randecker Maar (Lkr.
    Esslingen); Alter: Karpat, vgl. RÜFFLE 1963, GREGOR 1986 (Molasse-Äquivalent)
     Süßwasserquarzite mit Palmstrukturen von Eggingen (Lkr. Ulm) GREGOR & LUTZ 1984: 59,
    BUTZMANN 1985; Alter: Basis Grimmelfinger Graupensande, Ottnang/Karpat
     Blattspreiten und Fiederblätter von Palmen, Öhningen (Lkr. Konstanz) mit seinen
    Maarseesedimenten (HEER 1855-1858); Alter: Unter- bis Mittel-Miozän
     Palmfasern von Fasciculites lacunosus (früher Palmoxylon), Emming i.d. Hengersberger Bucht; (in
    Bearb. GREGOR, LIEVEN & SCHMITT), Alter. Unter-Miozän
     Blattfiederreste einer Palme, neue Funde von Sammler K.-D. Hildebrandt (Ulm-Ermingen) in der
    Kiesgrube Ringingen, in Kirchberger Schichten (in Bearb.)
    Stratigraphische Schlussfolgerungen aus den verschiedenen Florenelementen zu ziehen, mag hier einen
    ersten Eindruck vermitteln. Floren sind nicht so gut einzuhängen wie die Mikromammalia-Säugerzonierung,
    wenn auch in letzter Zeit genügend Änderungen vorgenommen wurden. Die obere Pflanzenlage von
    Derching lieferte eine rel. artenarme Flora mit typischen Elementen der mittleren Serie DEHMs. Sie ist in
    die Phytozone OSM-3b2 bzw. KZK-3b2 zu stellen, bzw. in WEBENAUs (1995: 48,58) Phyllo-Zönosen-
    Komplex PZK 3, Subzone 3a (Ober-Baden – Mittl. Sarmat, ibid.; 48). Damit liegt die Flora unter der von
    Achldorf (OSM-4) bzw. Aubenham (OSM-6). Ein Hiatus zwischen diesen Fundorten ist zu vermuten.
    Abschließend mag es erlaubt sein, die Palmreste von Derching und einige andere (Goldern, Öhningen) ins
    tiefere Mittel-Miozän, z.B. das Untere bis Mittlere Badenium, zu stellen. Meßkirch und Ringingen sind
    eindeutig stratigraphisch tiefer liegend, also etwa Karpat (tieferes Baden nicht ausgeschlossen).
    4.3 Klimageschehen
    Gemäß den Angaben des Deutschen Wetterdienstes liegt die Jahresmitteltemperatur der Wetterstation
    Augsburg-Mühlhausen für den Zeitraum 1981–2010 bei 8,6°C. Die mit Hilfe zahlreicher OSM-Makrofloren
    vorgenommene Klimarekonstruktion offenbart, dass zur Zeit des Mittelmiozäns im Molassebecken ein
    humides, warm-gemäßigtes Cfa-Klima sensu KÖPPEN (in BLÜTHGEN 1966) mit einer Jahresmitteltemperatur
    von ca. 15°C sowie einer jährlichen Niederschlagsmenge von 1.500–2.000 mm geherrscht hat (vgl. HANTKE
    1954, JUNG 1963, GREGOR 1982, GREGOR et al. 1989). BÖHME (2003) hat die zeitliche Verbreitung
    bestimmter ektothermer Wirbeltiere analysiert und zusätzlich paläobotanische Daten herangezogen.
    Allerdings hat sie nur ausgewählte Literatur erwähnt, die bereits mehrfach kritisch besprochen wurde, da es
    sich z.T. um umgelagertes Material handelt (Kieselhölzer, sensu SELMEIER). Zusätzlich sind ektotherme
    Wirbeltiere, darunter auch Andrias u.a., nicht für klimatische Analaysen brauchbar, wie schon GREGOR
    2008 darauf hingewiesen hat. Sie postuliert für den Zeitraum Unter-/Mittelmiozän (Ottnangium bis mittleres
    Badenium) deutlich höhere Jahresdurchschnittstemperaturen von bis zu 22°C. Diese „tropischen“ Daten
    widersprechen allen Autoren, die in Mitteleuropa klimatisch gearbeitet haben (MAI u.v.a., bei BÖHME nicht
    bekannt). Erst im oberen Badenium, in der Zeitspanne vor 14 bis 13,5 Millionen Jahren, fand laut B ÖHME
    (2003) eine rapide Klimaverschlechterung statt, bei der die Jahresmitteltemperatur um mindestens 7°C auf
    etwa 15°C gesunken ist. Diese „tropischen“ Daten sind als reine Spekulation anzusehen, da nur die
    Xylofloren von SELMEIER zum Tragen kamen, aber keinerlei andere Klimadaten zu OSM-Sedimenten.
    Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass im Mittelmiozän im Vergleich zur heutigen Zeit in
    Süddeutschland deutlich wärmere Temperaturen geherrscht haben.
    24
    Dies gilt für die Obere Pflanzenlage mit einer Ulmen-Amber-Dominanz (noch mit Daphnogene-Blättern,
    mittl. Jahrerstemperatur ca. 14-16°C), aber noch mehr für die basalen Palmfunde, die die mittlere
    Jahrestemperatur auf ca. 16-17°C vermuten lassen. In beiden Fällen haben wir noch ein warm-gemäßigtes
    Cfa-Klima, wie es heute in Virginia (USA) anzutreffen ist.
    Abbildungen 1-7
    Im Folgenden findet man Lagepläne zu Derching, Tagebuchnotizen
    und stratigraphische Tabellen mit Anzeige der Derchinger Ablagerungen
    25
    Abb. 1: Lage der Fundstelle Derching in Süddeutschland bei Augsburg (Pfeil)
    Abb. 2: Geographische Lage des Kalksandsteinwerkes Derching in Bayern (Pfeil)
    26
    Abb. 3: Profilskizze mit Verwürgungen,
    laut Exkursion
    E 640 bei GREGOR, 1991)
    A: Feinkies
    B: grünlichgelber Sand
    C: blauer Ton, z.T. Butzen,
    Aufarbeitungslage, Wurzeln
    D: gelber Sand
    E: roter Kies
    F: graugelber Sand
    G: Häcksellage
    H: Angiospermen Blattreste
    J: Unioniden (Flussmuscheln)
    K: Palmrhizome
    Abb. 4: Profil der Derchinger Grube
    (E 823 sensu GREGOR, 1999) mit folgenden
    Schichten:
    A: sterile graue Mergelsilte in
    Aufarbeitungslage, mit rostroten Astresten
    und Häcksel
    B: siltige Mergel mit Ephemeropteren-
    Grabgängen (Rhizocorallium jenense)
    C: untere Sohle mit Brockhorizont
    (Weißjuragries, 479 m NN) mit
    Flussperlmuscheln (Margaritifera) und
    Heliciden-Schnecken
    D: blaue fette Tone mit Wurzelhaaren,
    Tonharnischen und Palaeosol-Anzeigern,
    hangend Farbwechsel durch Oxidation
    (blaugrün – grünbraun)
    27
    Abb. 5: Blattflora (Pfeil grün) und Palmfunde (Pfeil rot) von Derching in der Zeittabelle
    28
    Abb. 6a
    Stratigraphische Tabelle der Oberen Süßwassemolasse Bayerns (abgeändert und ergänzt nach
    einem Entwurf von DOPPLER & FIEST, OMM und OBM nur andeutungsweise.
    Schüttungszyklen und Cricetidenzonen der Älteren- und Mittleren Serie der Oberen
    Süßwassermolasse Bayerns und ihr stratigraphischer Rahmen aus FIEST (in Bearbeitung)
    1) DEHM 1955, 2) OSM-units HEISSIG 1997, SMD = Sand-Mergel-Decke
    29
    Abb. 6b: Vergrößerter Ausschnitt aus Abb. 6A
    30
    Abb. 7: Präriesische Molasse und Brockhorizont. (Legende siehe S. 31)
    Verbreitung der präriesischen Mittleren Serie, des Brockhorizontes und des Höllkreut-
    Weißjurageröll-Horizonts (verändert nach HEISSIG & FIEST 1994 und FIEST in Bearbeitung)
    31
    Legende zu Abb. 7
    32
    Nachtrag: Faunen von Derching
    Fauna Derching 1a („Blaue Mergel“, 2 – 3 m über Brockhorizont; BÖHME & ILG 2003, SEEHUBER
    2002 verändert):
    PISCES (Fische)
    Channiformes (Schlangenkopffische)
    Channa sp.
    Cypriniformes (Karpfenartige)
    Palaeocarassius sp.
    Palaeoleuciscus sp.
    AMPHIBIA (Amphibien)
    Anura (Froschlurche)
    Pelophylax sp.
    Eopelobates sp.
    Bufotes cf. viridis (LAURENTI)
    Urodela (Schwanzlurche)
    Mioproteus sp.
    REPTILIA (Reptilien)
    Serpentes (Schlangen)
    Serpentes indet.
    Anguimorpha (Schleichenartige)
    Ophisaurus sp.
    Scincomorpha (Skinkartige)
    Lacerta sp.
    Chelonia (Schildkröten)
    Chelonia gen. et. spec. indet.
    Crocodylia (Krokodile)
    Diplocynodon sp.
    AVES (Vögel)
    Aves indet.
    MAMMALIA (Säugetiere)
    Soricidae (Spitzmäuse)
    Miosorex cf. desnoyersianus (LARTET)
    Lartetium dehmi (VIRET & ZAPFE)
    Erinaceidae (Igel)
    Galerix exilis (BLAINVILLE)
    Talpidae gen. et spec. Indet.
    Lagomorpha (Hasenartige)
    Prolagus oeningensis (KÖNIG)
    Lagopsis verus (HENSEL)
    Cricetidae (Wühler)
    Cricetodon aff. meini FREUDENTHAL
    Megacricetodon minor (LARTET)
    Gliridae (Schlafmäuse)
    Miodyromys cf. aegercii BAUDELOT
    Miodyromys cf. hamadryas (MAJOR)
    Sciuridae (Hörnchen)
    Spermophilinus bredai (V. MAYER)
    Castoridae (Biber)
    Steneofiber depereti MAYET
    Carnivora (Raubtiere)
    Carnivora gen. et spec. indet.
    Cervidae (Hirsche)
    cf. Heteroprox sp.
    Fauna Derching 1b („Characeenmergel“, unmittelbar unter Brockhorizont; BÖHME & ILG 2003,
    SEEHUBER 2002, verändert und ergänzt durch FIEST):
    MOLLUSCA (Weichtiere)
    Gastropoda (Schnecken)
    Bithynia sp.
    PISCES (Fische)
    Channiformes (Schlangenkopffische)
    Channa sp.
    Cypriniformes (Karpfenartige)
    Barbus sp.
    Cobitis sp.
    Palaeocarassius sp.
    Palaeoleuciscus sp.
    Varicorhinus / Capoeta sp.
    AMPHIBIA (Amphibien)
    Anura (Froschlurche)
    Pelophylax sp.
    Urodela (Schwanzlurche)
    Mioproteus sp.
    Lissotriton aff. vulgaris (LINNAEUS)
    REPTILIA (Reptilien)
    Amphisbaenia (Doppelschleichen)
    Blanus antiquus SCHLEICH
    Anguimorpha (Schleichenartige)
    Ophisaurus sp.
    Scincomorpha (Skinkartige)
    Lacertidae gen indet.
    Serpentes (Schlangen)
    Serpentes fam. et gen. indet.
    Chelonia (Schildkröten)
    Chelydropsis sp.
    Geochelone sp.
    Trionyx sp.
    Crocodylia (Krokodile)
    Diplocynodon sp.
    MAMMALIA (Säugetiere)
    Chiroptera (Fledermäuse)
    Chiroptera gen. et spec. indet.
    Erinaceidae (Igel)
    Galerix exilis (BLAINVILLE)
    Proscapanus cf. sansaniensis (LARTET)
    Lagomorpha (Hasenartige)
    Prolagus oeningensis (KÖNIG)
    Eurolagus sp.
    Cricetidae (Wühler)
    Cricetodon meini FREUDENTHAL
    Megacricetodon aff. germanicus AGUILAR
    33
    Megacricetodon minor (LARTET)
    Democricetodon gracilis FAHLBUSCH
    Eumyarion medius (LARTET)
    Gliridae (Schlafmäuse)
    Miodyromys cf. hamadryas (MAJOR)
    Pseudodryomys cf. ibericus DE BRUIJN
    cf. Paraglirulus sp.
    Cervidae (Hirsche)
    Fauna Derching (Sande und Kiese zwischen 480 und 503 m ü NN; ERONEN & RÖSSNER 2007,
    SCHLEICH 1982, SEEHUBER 2002, verändert):
    MOLLUSCA (Weichtiere)
    Gastropoda (Schnecken)
    Tinnyea sp.
    Lymnaea sp.
    Theodoxus sp.
    Megalotachea sp.
    Planorbarius sp.
    Bivalvia (Muscheln)
    Margaritifera sp.
    Chelonia (Schildkröten)
    Testudo sp.
    Trionyx sp.
    Crocodylia (Krokodile)
    Diplocynodon sp.
    MAMMALIA (Säugetiere)
    Castoridae (Biber)
    Steneofiber sp.
    Carnivora (Raubtiere)
    Amphicyon major BLAINVILLE
    Hemicyon sp.
    Mustelidae indet.
    Rhinocerotidae (Nashörner)
    Brachypotherium brachypus (LARTET)
    Alicornops simmorense (LARTET)
    Lartetotherium sansaniense (LARTET)
    Plesiaceratherium fahlbuschi (HEISSIG)
    Prosantorhinus germanicus (WANG)
    Equidae (Pferde)
    Anchitherium aurelianense (CUVIER)
    Chalicotheriidae (Krallentiere)
    Anisodon grande (BLAINVILLE)
    Suidae (Schweine)
    Hyotherium soemmeringi (VON MEYER)
    Palaeochoeridae indet.
    Moschidae (Moschushirsche)
    Micromeryx flourensianus LARTET
    Cervidae (Hirsche)
    Dicrocerus elegans (LARTET)
    Heteroprox larteti (FILHOL)
    Stehlinoceros elegantulus (ROGER)
    Palaeomerycidae (ausgestorbene Paarhuferfamilie)
    „Palaeomeryx“ eminens VON MEYER
    „Palaeomeryx“ kaupi VON MEYER
    Tragulidae (Hirschferkel)
    Eotragus sp.
    DORCATHERIUM CRASSUM (LARTET)
    BOVIDAE (HORNTRÄGER)
    Proboscidea (Rüsseltiere)
    Prodeinotherium bavaricum (v. MEYER)
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    GREGOR, H.-J. & SCHMITT, H. (2016): Die miozäne Fundstelle Unterwohlbach bei Hohenkammer
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    ULBIG, A. (o. A.): Neue Fundstellen ortsfremder Malmkalkblöcke („REUTERsche Blöcke“) in der
    Oberen Süßwassermolasse im Raum Pfaffenhofen – Moosburg – Landshut. – unveröffentl.
    Manuskript, 10 S., 1 Abb.
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    Dipl. Arb., Lehrst. f. Angew., Allg. u. Ing.-Geol., Techn. Univ. München, 53 S., 16 Abb., 3 Anl.
    40
    Tafeln
    Die folgende Auflistung erwähnt alle Funde der bisher gefundenen postriesischen Palmreste von
    Derching im Naturmuseum Augsburg (kurz NMA), sowie die Characeenmergel/sand
    NMA /722 Rhizom, Sandmergel, OSM, Leg. TRAUTWEIN 1991
    NMA 1027 Palmspreite, Sandschicht, OSM, Leg. KUHN 1992
    NMA /2387 Palmrest, Feinkies verbacken, OSM, Leg. TRAUTWEIN 2019
    NMA /2429 Palmspreite, Feinkies verbacken, OSM, Leg. TRAUTWEIN 2021
    NMA /1714 Palmwurzeln, OSM, Derching; Leg TRAUTWEIN 2021
    NMA /1885 Characeensand, OSM, Derching; Leg. SEEHUBER 2003
    NMA /489 Schädelrest Alicornops simorrense; Leg. GREGOR (E 584/8), 23.09.1989
    Tafel 1
    Schädel (Calvarium) von Alicornops simorrense
    Exk.-Nr. E 584/8, (1989)
    Inv.Nr. NMA
    Fig. 1: von oben, Ansicht auf Schädeldach 89-192/489
    Fig. 2: von unten, Ansicht auf Backenzähne rechts 89-192/489
    Fig. 3: von seitlich rechts, mit Backenzähnen 89-192/489
    Fig. 4: Hinterhauptsregion von oben 89-192/489
    Fig. 5: Hinterhaupt mit Condylen 89-192/489
    Fig. 6: Nasenregion, mit Rauhigkeit für kleines Horn 89-192/489
    Tafel 1
    3
    2
    4
    6
    1
    5
    42
    Tafel 2
    Nitellopsis meriani – Oogonien, Material im Department of Earth and
    Ocean Dynamics, Fac. Earth Sciences, Universitat de Barcelona (UB)
    Martí i Franquès, s/n, E-08028 Barcelona
    Ex NMA /1885
    übergeben an
    genannte Institution
    Fig. A-D: Oogonien von der Seite /1885
    Fig. E, F: von oben /1885
    Fig. G, H. von unten /1885
    Tafel 2
    44
    Tafel 3 Inv.Nr. NMA
    Fig. 1: Sabal lamanonis BRONGN. von Derching; Blattspreite,
    in feinen Kies der basalen Abfolge eingebettet
    NMA 2024-48/2429
    ex Coll. Trautwein
    Tafel 3
    46
    Tafel 4 Inv.Nr. NMA
    Fig. 1: zerbrochenes Exemplar einer Blattspreite von Sabal
    lamanonis in Kalksandstein
    NMA 2024-49/1027
    ex Coll. KUHN
    Tafel 4
    48
    Tafel 5 Inv.Nr. NMA
    Fig. 1: Vererzter Rest eines Palmstämmchens (Rhizom) im
    Überblick 2-1
    2024-50/722
    ex Coll. Trautwein
    Fig. 2: Vergrößerung von Fig. 1 mit den typischen
    Zuwachsstreifen des Stämmchens 2-2
    2024-50/722
    ex Coll. Trautwein
    Fig. 3: mögliche Wurzeln einer Palme 2-3 2024-51/1714
    ex Coll. KUHN
    Fig. 4: Mergelstück mit bruchstückhaften Resten eines
    Palmstämmchens 3-3
    2024-52/722
    ex Coll. Trautwein
    Fig. 5: Vergrößerung von Fig. 6, den zarten Abdruck zeigend 3-1
    Fig. 6: Handstück mit Spreitenrest eines Palmblattes 3-2 2024-53/1714
    ex Coll. TRAUTWEIN
    Fig. 7: Handstück mit deutlichen Wurzeln, vermutlich Palme 4-2 2024-54/1714
    ex Coll. KUHN
    Fig. 8: weiteres Exemplar mit Wurzelresten 4-1 2024-55/1714
    ex Coll. KUHN
    Fig. 9: Haufwerk von Tectochara meriani in der Zelle; Größe um
    1 mm
    Inv. Nr. 2024-56/1885
    Fig. 10: einzelne Oogonien als Streupräparat, mit Größe Teil von Inv. Nr. 2024-
    56/1885
    Tafel 5
    2
    3
    4
    6
    8
    5
    1
    7
    9
    10
    50
    Tafel 6 Inv.Nr. NMA/Exk.Nr.
    Fig. 1: Epiphragmen einer Bithynia-Art in der Zelle, Größe etwa 3
    mm
    Inv. Nr. 2024-57/1885
    Fig. 2: Bithynia-Epiphragmen einzeln, mit Größenangabe Inv. Nr. /1885
    Fig. 3: Haufwerk von Tectochara meriani in der Zelle Teil von Inv. Nr. 2024-56/1885
    Fig. 4: Geländebild Derching mit hangenden Brutröhren von
    Vögeln (Uferschwalben)
    Foto Coll. TRAUTWEIN,
    Dez. 21
    Fig. 5: Profilwand mit Verwürgungen, rostroter Mulm
    (Holzreste?) bei Aufarbeitungslage
    Foto Coll. TRAUTWEIN,
    Dez. 21
    Fig. 6: Profil mit riesigem Kolk mit tausenden von Flussperl-
    muscheln (Margaritifera m.) bei der Ausgrabung 1984
    Gregor E 448/3
    Fig. 7: Große Fossilfunde aus dem Sammlungsraum Coll.
    TRAUTWEIN, über ca. 40 Jahre in Derching gefunden
    Foto J. TRAUTWEIN,
    Fig. 8: Zwei Dinotherien-Stoßzähne und Kieferreste mit
    Backenzähnen von Deinotherium und Gomphotherium
    Foto J. TRAUTWEIN,
    Fig. 9: noch nicht benutzter Backenzahn eines Deinotherium von
    Derching mit Kauleisten
    Foto J. TRAUTWEIN,
    Tafel 6
    5
    32
    4
    6
    76 7 7
    9
    6
    7
    1
    76
    6
    7
    9
    6
    7
    9
    7
    9
    6
    8
    52
    Tafel 7 Exk.-Nr./ Jahr /
    Eingangsnr.
    Fig. 1: Riesiger Malmkalk-Block vor dem Bürogebäude mit
    Mitarbeitern der Fa.
    E 845/1 (2000)
    Fig. 2: Sandgrube mit toniger Linse zwischen den Sedimenten E 638/1 (1990)
    Fig. 3: Vergrößerung von Fig. 2 mit gestörter Tonlage E 638/1 (1990)
    Fig. 4: Sedimentstruktur in Fächerform E 640/1 (1991)
    Fig. 5: Sandzwischenmittel E 640/1 (1991)
    Fig. 6: z.T. gespaltene Linsen und wechselvolle Folge E 640/1 (1991)
    Fig. 7: Oberer Profilteil der Grube E 640/1 (1991)
    Fig. 8: Aufarbeitungslage mit Feinkies über Sand E 845/1 (2000)
    Fig. 9: Feinkiesprobe aus dem mittleren Teil des Profils (2022)
    mit vielen Quarzen (weiß)
    E 1179-1 (2016)
    Fig. 10: Feinkies auf der Unterseite des Palmblattes (Taf. 3) mit
    weißen Quarzen
    NMA 2024-48/2429 ex
    Coll. Trautwein
    Tafel 7
    1
    2
    10
    3
    4
    5
    6
    7
    8
    9